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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-01-01 · 1 (Januar/Februar 1914) · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
1 (Januar/Februar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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No. 1 13 tebt, da ja hier fast ausschließlich Andersgläubige von Rechts wegen die Geschicke der jüdischen Gemeinschaft bestimmen. . . . Welch, böse Waffe bekämen hier die Antisemiten, wenn wir nationalen Juden nicht wieder einmal bessere und vernünftigere Staatsbürger wären als unsere mosaischen Deutschen Nun aber bitte ich nervenschwache Leser, das Blatt wegzulegen. Es kommt etwas. „Im Altertum war die Nationalreligion oder Religionsnation etwas Selbstverständliches! Ein Volk, ein König, ein Gott! Aber es dürfte nicht das geringste Verdienst des Judentums sein, hier einen Wandel hervorgerufen zu haben, und unter den ethischen Schöpfungen des Judentums ist die erhebendste mit der Begriff der Gewissensfreiheit! Früher hießeswörtlich: cujus reg'lo, ejus religio! Dasistdurch das Judentum anders geworden.“ Als ich diese Stelle gelesen hatte, wurde mir schwarz vor den Augen. Voll banger Befürchtungen schleuderte ich das Heft meiner langjährig bewährten gemanischen Waschfrau zu, die gerade zur Abholung der Wäsche ins Zimmer getreten war, und sprach mit hohler Stimme: „Lesen Sie mir laut vor, was hier gedruckt steht!“ Die Szene, die nun folgte, werde ich nie vergessen. Kaum hatte das arme Weib die letzten Worte „anders geworden“ herausgewürgt, als sie m,t einem gräßlichen Schrei zusammenbrach. — Sie liegt nun seit vierzehn Tagen auf meine Kosten im Krankenhaus, und noch ist eine Besserung nicht abzusehen. Sobald sich ihrem Bett eine einigermaßen jüdisch aussehende Person nähert, teilt sie mit blödem Lächeln: „Früher hieß es wörtlich: cujus regio, ejus religio! Das ist durch das Judentum anders geworden.“ Mauscheichen schwärmt aber nicht nur für gewissensfreie Geschichtsforschung, er fühlt sich auch selber unmittelbar von Offenbarungen heimgesucht. Wie blamabel muß es doch für Moses sein, wenn Herr Anonymus, vom Antisinai herabsteigend, uns das Axiom hinschmettert: „Zionismus J*n d der Olaube an einen Weltengott sind unvereinbare Gegensätze.“ Was machen wir da blos? Es hilft ja nichts, wenn wir unsere Kinder taufen lassen wie ein Mitglied des antizionistischen Komitees, dessen Name mit unter dem Begleitaufruf der Broschüre prangt. Denn das Christentum, das ja auch den Glauben an einen Weltengott lehrt, wäre somit te auch unvereinbar mit dem Zionismus! Oder sollen wir uns an einen anderen, Unterzeichner des Aufrufes halten, der neulich, gefragt, warum er ms Mitglied des Monistenbundes sich so über die Oefährdung der jüdischen Religion aufrege, erwiderte: „So? Gefährdet der Zionismus die jüdische Religion? Das wäre ja dann das einzig Gute an Ihm! Aber ich giaub’s nf c h 11“ ,.v. . ich denke, zumindest der Schlußsatz dieses antizionistischen Tempelwächters hät etwas ungemein Beruhigendes am Leibe. Daß auch die üblichen politischen Denunziationen wieder da sind, braucht nicht erst gesagt zu werden. Nur nehmen sie sich Wer besonders komisch aus, da der anonyme Vorkämpfer des antizionistischen Komitees seiner politischen Stellung nach grimmigster Anarchist ist und mit wilder Verachtung gegen die staatsförderliche Gesinnung der Zionisten wettert, neren „Ideal ein Staat ist, der sich mitten unter der Unruhe und dem Hasse der Welt aufbaut, dessen Zukunftssehnen die eigene Wohlfahrt, die eigene Sicherheit ist, der aber im übrigen sein Schicksal getrennt hat von dem der Welt!“ Ich finde das — ganz unabhängig von meiner zionistischen und daher staatsfreundlichen Gesinnung — nicht sehr hübsch von Herrn Anonymus. Eine bißchen mehr Dankbarkeit hätte der preußische Staat schon für eine gewisse Naturalisation auch vonseiten des Sohnes verdient.

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