Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-01-01 · 1 (Januar/Februar 1914) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
1 (Januar/Februar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492379-5965026-5965364--332-4922514
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 1 11 schlichten Heftchen so ergreift, sind unstreitbar Verdienst des Zusammenschreibers. Und wir müssen weiterhin lobend hervorheben, daß er uns trotz des munteren Durcheinander seiner Qeistessprünge eine Charakterisierung nicht gar zu schwer macht. Er kennt und liebt nämlich — mindestens seit Papa * naturalisiert ist — das deutsche Volkslied. Besonders nahe ging ihm gewiß das bewährte Konversationsrezept: „Und wenn Du nichts zu schwatzen weißt, Nlmrn’s Mäderl um den Hals! Drück ihr a einzig Busserl auf, Und’s Mäderl weiß dann all's!“ Und er nimmt denn auch die zionistische Organisation um den Hals und drückt ihr ein verschämtes Busserl auf, so süß und lieb, daß man auf hundert Meter die Knochen im Leibe krachen hört. — Und hier ist das Busserl, und wenn du es überstanden hast, lieber Leser, dann weißt auch du in der Tat a 1 e s : „Der Zionismus hat große Geldmittel aufgehäuft. Mehr als sieben Millionen Mark nennt er sein, sieben Millionen, die zum Teil aus den Pfennigen der Armen und Aermsten im Osten gesammelt sind. Aber selbst ln den Zeiten der entsetzlichsten Verfolgungen hat sich der Zionismus nicht veranlaßt gesehen, seinen Nationalfond denen und dem zuzuwenden, wofür es notwendig war, und das Motiv: „Laß sie betteln geh’n, yenn sie hungrig sind“ erscheint nicht mehr als eine Verirrungweltfremder, idealistischer Zukunftsschwärmer, sondern als eine raffinierte, ausgeklügelte Grausamkeit.“ Welch edler Geist ist hier zerstört! Die unsachliche zionistische Kritik fühlt sich von heißer Sehnsucht gepackt, zu erfahren, welch liebes Gesichtchen hier unter der Anonymitätsmaske geküßt hat. Und wir fragen neckend mit veränderter Betonung den liberalen Kavalier: „Welch edler Geist ist hier zerstört?“ Ach, ich fürchte, er wird es uns nie mit Sicherheit wissen lassen, und so müssen wir uns mit der seligen, aber anonymen Karnevalserinnerung begnügen. Allenfalls ahnt man, wie ich schon habe merken lassen, den Beruf des Herrn. Ja, ja, auch der Vorsichtigste vergißt sich manchmal! „Einen „Judenstaat“ verlangte der edle Theodor Herzl in seinem Buche, das den gleichen Titel' trägt und seinem dichterischen Können ebenso Ehre macht wie seinem Idealismus. Dieser Mann, der ein warmes Herz hatte für die Leiden seiner prüder, der ein ehrlicher und ehrenhafter Idealist von reiner Gesinnung war, |st es« der der neuen Bewegung einen idealen Impuls gab. Er hat aber das tragische Schicksal gehabt, daß sich an seinen Namen eine pseudomessianische Bewegung häßlichster Natur knüpft, und daß mit seinem Namen geschäftsmäßige Schreier, gewissenlose Demagogen und unwissende Phantasten ihre wenig idealen Motive und Ziele decken.“ Und wenn ich Dir, lieber schwerfälliger Leser, verrate, daß noch ein anderes Mal in gleicher Tonart von dem edlen Herzl die Rede ist, merkst du dann.etwas? Wer schreibt und spricht wohl so? Ein Arzt? Ein Rechtsanwalt? Ein Kaufmann? Ich Werde mich hüten, etwas zu sagen. Aber Herr Anonymus verrät sich an späterer Stelle selbst. Er zitiert nämlich mit ganz besonderer Entrüstung einen älteren Aufsatz einer österreichischen nationaljüdlschcn Zeitung, der gewisse Rabbiner größerer Gemeinden geradezu glänzend charakterisiert und zwar mit Worten, wie sie wenigstens teilweise schon jeder Jude jeder Dichtung, der jemals in einer Synagoge gewesen ist, gebraucht hat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.