Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Ko. 1 ins Feld führen lassen? Da aber griin nicht nur des Zionistenjägers liebliches Kleid, sondern auch die Farbe der Hoffnung ist. so hofften wir. Ermutigte uns doch auch der sprachlich hochinteressante Einleitungssatz: „Wenn die Dinge der Wirlichkeit sich zu einer Notlage und zu einer deutlich geforderten Abhilfe (Im Deutschen würde es heißen: zur deutlichen Forderung einer Abhilfe!) zugespitzt haben, da gibt es für die Partei, die da eingreifen und helfen will, nur eine Taktik: die Wahrheit auszusprechen, sie mag den anders Interessierten lieb oder leid sein, und durch ihre Verbreitung alle billig Denkenden zur Teilnahme zu zwingen.“! Wir hofften also, daß sich die Dinge der geistigen Notlage des Antizionistischen Komitees späterhin vielleicht zu einer deutlich ausgesprochenen Wahrheit zuspitzen würden. Nun sind wir mitten im Winter, und die zweite Antizionistin ist — in grauem Babykleidehen — glücklich angekommen. Der evangelische Theologiekandidat Hieronimus Jobs, Held des klassischen deutschen Knittelversepos, bekam als vierte Examensnuß die Frage zu knacken, aus wieviel Teilen eine gute Predigt bestehen müsse, wenn sie „nach Regeln gescheh’n“ solle. Hieronimus besann sich eine Weile. „Eine gute Predigt hat zwei Teile: Den einen Teil niemand verstehen kann,. Den andern Teil aber verstehet man.“ Es darf konstatiert werden, daß sich Jobsens mosaischer Kollege an diese Einteilung gehalten hat. Nur die Reihenfolge hat er nmgeändert. Der erste Teil ist verständlich, nämlich Seite 1, enthaltend den Titel „Der Zionismus, seine Theorien, Aussichten und Wirkungen". Besonders klar und verständlich ist an dieser Stelle auch noch, daß sie den Namen des Verfassers nicht enthält. Auch hierin schließt er sich an sein Vorbild an, von dem es im letzten Teil des Heldenliedes heißt: Er bewies seine Stärke ln manchem gedruckten, wohlrezensierten Werke. Jedoch schrieb der Autor Hieronimus aus Bescheidenheit immer als Anonymus. Freilich wird diese — bei den Antizionisten ja ohnehin traditionelle — Weglassung des Namens hier noch doppelt verständlich, wenn man erst das ganze Werk gelesen hat. Den andern Teil niemand verstehen kann, nämlich den Inhalt der Broschüre. Ich weiß nicht, wofür sich die Schriftleitung dieses Blattes an mir rächen will, daß sie eine „Besprechung“ verlangt. Zu einer Besprechung gehört doch m. E. ln erster Reihe eine Inhaltsangabe. Und wenn schon ein übelgelaunter Leser der „Zukunft“ einmal als neuesten jüdischen Fluch wetterte: „Moritz und Rina sollst du lesen, und eine Inhaltsangabe sollst du machen müssen!“, so möchte ich den Mann mal erst sehen, wenn man ihm dies allerneueste jüdisch-liberale Geisteswerk vor die Nase hält. Es ist nämlich aus vier inhaltlich gänzlich divergierenden, nur in Zionistenhaß, Sachunkenntnis und Vaterschaft eines Rabbiners sich gleichenden Broschüre11 zusammengekocht, die auch im Vorwort erwähnt sind. Immerhin darf man dem namenlosen Verfasser keineswegs vorwerfen, was man uns Juden so häufig vorwirft: Daß er nur fremdes Geistesgold in kleiner Scheidemünze dem Volke darzubieten verstehe, zu eigener genialer Produktion aber unfähig sei. — Mit nichten. Auch der tückischste kleine Zionistenkobold muß anerkennen, daß der Anonymus etwas durchaus Eigenes geschaffen hat. Ton, Rythmus und Niveau, diese Mischung von vornehmem Wohlwollen, gutmütiger Biederkeit und warmherziger Wahrheitsliebe, die uns an dem