Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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4 No. 1 mit vollem Recht. Wer, wie sie, im Judentum eine lediglich religiöse Gemeinschaft sieht, der hat kein Recht, sich auf Grund dieser Definition von seinen Mitbürgern zu profanen Zwecken abzusondern. Als Turner findet er seinen Platz in den großen und leistungsfähigen Vereinen der Deutschen Turnerschaft. Auch das Schicksal der Turnabteilungen, die neuerdings von dem sogenannten neutralen Jüdischen Jugendverband gegründet wurden,-kann nach dem Vorgesagten nicht zweifelhaft sein. Dennoch haben wir selbstverständlich unser Augenmerk ständig auf diese Entwicklung gerichtet und suchen zu gegebener Zeit mit unserer Aufklärung einzusetzen. Die Arbeit des verflossenen Jahres wurde zum großen Teil von zwei großzügigen Veranstaltungen absorbiert. Das war6n unser Erster Kreisturntag im Mai und das Schauturnen vor dem Wiener Zionistenkongreß im September. So wertvoll diese großen turnerischen Zusammentreffen für die Vereine und den einzelnen auch sind, so läßt sich doch nicht leugnen, daß durch sie unsere Kräfte in mannigfacher Hinsicht von der ruhigen organisatorischen Arbeit abgelenkt wurden. Bei beiden Gelegenheiten bewährte sich der persönliche Opfersinn der Turner und Turnerinnen für unsere Sache in erfreulichem Maße und es steht außer Zweifel, -daß die Arbeitsfreudigkeit und der ideale Schwung in den Vereinen durch solche Zusammenkünfte einen kräftigen Stimulus erhalten, dessen segensreiche Folgen — dem einzelnen oft kaum erkennbar —- in der Arbeit des Alltags fortwirken. Ueber das Kreisturnfest und das große Hallenturnen, an dem etwa 500 Turner, Turnerinnen und Sportsleute teiInahmen, ist in diesen Blättern ausführlich berichtet worden. Die Beschlüsse des Kreisturntages haben sich in ihrer praktischen Durchführung durchaus bewährt. Nur war es nicht immer möglich, den Vorstand in der statutarisch vorgeschriebenen Zahl seiner Mitglieder zu erhalten. Nachdem Herr Julius Hirsch im August sein Amt als Turnwart niedergelegt hatte, war es uns leider nicht möglich, einen geeigneten Ersatzmann zu kooptieren, so daß die Funktionen des Turnwartes vom Kreissportwart mitverwaltet wurden. Beim Kongreß-Schauturnen war der Deutsche Kreis durch Turner, Turnerinnen und Sportsleute aus Berlin (Bar Kochba, Ifftus, Ivria), Breslau, Hamburg, Heidelberg, München, Königsberg und Posen vertreten. Unsere Turner und Turnerinnen leisteten nach gewissenhafter Vorbereitung sowohl bei den Gesamtübungen wie auch in ihren Riegen und bei den Sondervorführungen ihr bestes und ernteten reichen Beifall. Wir ergreifen gern die Gelegenheit allen denen, die zu dem überaus schönen Gelingen des Festes und zu einer würdigen Repräsentation unseres Kreises innerhalb der Turnerschaft beigetragen haben, unseren Dank zu sagen. Unsere Bemühungen, uns noch fernstehende Vereine heranzuziehen, und neue zu gründen, wurden auch in der Zeit nach dem Kreisturntag vieP fach von Erfolg gekrönt. So gelang es uns u. A., in Danzig un“ Frankfurt a. M. Turnvereine ins Leben zu rufen, die sich gut entwickeln. Der Frauenturnverein in S a m t e r, der seit mehreren Jahren seinen Betrieb eingestellt hatte, wurde durch die Bemühungen unserer Posener Freunde wieder ins Leben gerufen. Die Jüdische Turnerschaft »Mat* thaphia" in'Cöthen, mit der wir seit langem in Fühlung standen, trat unserem Bunde bei, und der jüdische Jugendbund in Kattowitz trennte sich von dem neutralen Verbände und wurde bei uns Mitglied. Im Monat Januar 1914 meldete der Jüdische Turnverein Halle seinen Beitritt. . Schon auf dem Kreisturntag wurde berichtet, daß die Turnabteflungen des Bundes Jüdischer Korporationen der Turnerschaft bei-