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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-12-01 · 8 (Dezember 1913) · p. Seite 238

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
8 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 238 (sequence 4)
Language
German
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238 No. 8 Diese Frage hat ihre absolute Berechtigung. In einem unserer bestorganisierten Vereine traten gelegentlich einer Generalversammlung Mitglieder auf und sagten: „Unser Verein braucht dringend einen Sportplatz und Sammelt seit langem einen Fonds für diesen Zweck. Nun zahlen wir tausend Mark Organisationsbeitrag der Turnerschaft. Könnten wir das Geld nicht besser verwerten? Was bietet uns die Jüdische Turnerschaft?“ Diese dringende Frage ist sicherlich auch in anderen Vereinen oft erhoben und mag manchem Kassenwart sehr am Herzen liegen. Wenn Turnen und Sport uns nur Selbstzweck wären, dann hätten die Fragesteller unbedingt Recht. Die rein turnerischen und sportlichen Vorteile, die unsere Organisation ihren Gliedern bietet, sind die Opfer nicht wert. Wenn der Jüdische Turnverein in X nichts anderes wollte, als den Juden seiner Stadt Gelegenheit zu körperlichen Uebungen bieten, dann täte er wahrhaftig besser, alle seine Mittel nur diesem Zwecke zu widmen. Aber unsere Tendenz spricht von der körperlichen Erstarkung und nationalen Erziehung der gesamten Judenheit. Und im Hinblick auf diese weitgehenden 2wecke wäre die isolierte Tätigkeit eines einzelnen Vereines sinnlos. Wie kann ein einzelner Verein in Wien, Berlin oder sonstwo auf die Gesamtheit wirken? Erst durch den Zusammenschluß aller Kräfte, durch die Konzentration unserer weitverzweigten Organisation kann die Turnerschaft ihre Ziele verwirklichen. Die nationale Erziehung unserer jungen Turner ist überhaupt nur -möglich mit dem Hinweis, daß die gesamte aufrechte Jugend unseres Volkes sich mit uns solidarisch fühlt. Erst das Bewußtsein, daß in. Wien, Berlin, Konstantinopel, Basel, Lemberg, Lodz und so weiter tausende junger Freunde mit gleichen Mitteln den gleichen Zielen zustreben, gibt jedem einzelnen von uns die Ueberzeugung, im Dienste einer starken Idee zu stehen, verleiht ihm die Kraft, dieser Idee Opfer za bringen. Aus dieser Erkenntnis erwächst uns aber auch das Pflichtbewußtsein, für die ständige Ausbreitung unserer Idee und ihrer organisatorischen Incarnation zu arbeiten. So gibt es keine schönere Aufgabe für einen materiell gut fundierten Verein, als mit seinen Ueberschiissen die schwächeren zu stützen. Einer für alle, alle für Einen. Dieser schöne und alte Grundsatz brüderlicher Solidarität ist das Fundament unseres. Verbandes. Sagen wir es frank und frei: unsere meisten Vereine sind finanziell schwach. Das ehrliche und unumwundene Bekennen unserer nationaljüdischen Tendenz hat uns die Herzen und Börsen der jüdischen Großfinanz ver* schlossen. Unser Reichtum liegt in unserer Liebe zu jüdischen Idealen, ln unserer festen Hoffnung auf unsere Zukunft. Und aus diesem Reichtum schöpfen wir die Fähigkeit, unsere Organisation durch persönliche Opfer materiell zu halten. Wenn wir uns in Palästina nahezu zwanzig Turnvereine geschaffen haben, wenn unsere Organisation in Rußland allmählich festen Fuß faßt, dann heben wir stolz unser Haupt: Seht, das hat die jüdische Jugend aus eigener Kraft sich selbst geschaffen, mit großen, aber freudig dargebrachten Opfern. Wir stehen vollkommen isoliert, von rechts und von links. Es darf in diesem Zusammenhänge nicht verschwiegen werden, daß (entgegen weitverbreiteter Meinung!) auch die finanzielle Unterstützung von seiten der zionistischen Organisation gleich Null ist. Man preist uns als die einzige nationaljüdische Jugendorganisation, man sollte auch danach handeln)! In Anbetracht unserer vollständigen Isoliertheit dürfen wir mit den Erfolgen des letzten Jahres zufrieden sein. Die Zahl unserer Vereine hat sich

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