Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 226 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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226 No. 7 Lehrer die Existenz der Vereine (im besonderen der Turnvereine) eines festen Rückhaltes entbehrt, und vor allem die erstrebte Einführung des hebräischen Kommandos unmöglich ist. Das Organisationskomitee beachtete diesen Mangel und machte sich daran, ihm abzuhelfen, indem es das hebräische Kommando mit polinischen Erläuterungen gedruckt herausgab, und an die Verbandsvereine versandte, mit der Aufforderung, ausschließlich das hebräische Kommando in den Turnsälen einzuführen. Wir sind uns voll des Umstandes bewußt, daß dort, wo ein Pole oder Ruthene Turnleiter ist, wie in Krakau und Tarnopol, es schwerlich gehen wird und die fremde Kommandosprache geduldet werden müsse, aber dabei ist es geboten, in diesen Vereinen Kurse mit hebräischem Kommando einzuführen. Gleichzeitig wurden Rundschreiben an Verbandsvereine versandt, worin Belehrungen über die Wichtigkeit und die Art der physischen Erziehung samt Fingerzeigen über Organisierung und Anlegung turnerischer und sportlicher Fachkommissionen gegeben wurde. Nur stramm organisierte und energisch geleitete gymn. Kommissionen können dem bisherigen Mangel an jüdischen Turnlehrern abhelfen. Aufgabe eben derselben gymn. Kotnmissio ist neben der Beaufsichtigung und Leitung der gymn. Uebungen auch die theoretische Schulung der Turnlehrer. Zur Gründung solcher Kommissionen in den Turnvereinen und Sportkommissionen in den Sportvereinen wurden die einzelne Vereine vom Organisationskomitee aufgefordert. Da wir uns bewußt sind, daß von der Existenz eines jüdischen Lehrkörpers nicht nur die Wohfahrt der einzelnen Institutionen, sondern geradezu das Gedeihen unserer ganzen phys. Renaissancebewegung und der nationalen Erziehung unserer Jugend abhängt, bereitet das Organisationskomitee einen Lehrkursus für die Ferienzeit vor, der Turnen, Sport und Scouting umfassen soll, und von allen Verbandsvereinen beschickt werden muß. Um aber bis dahin die Einheitlichkeit der Uebungen nach hygienischen und rationellen Grundsätzen in den Vereinen aufrecht zu erhalten, versendet das Organisationskomitee fachmäßig bearbeitete Lektionen mit erforderlichen Erläuterungen. In den vom Organisationskomitee versandten Zirkularen wurde auf die Notwendigkeit hingewiesen, sich mit den Grundsätzen der Hygiene, Anatomie und Physiologie bekannt zu machen, ein genauer Ausweis entsprechender Handbücher wurde dargelegt, die auf kürzestem Wege in die schwedische Gymnastik einführen und Belehrungen über Anlegung von Fachkommissionen erteilt. Infolge' der Bemühugen des Organisationskomitees sind die Fachkommissionen in manchen Vereinen bereits in voller Tätigkeit. Anders stellte sich die phys. Erziehung in sportlicher Richtung dar. Das Organisationskomitee ist leider nicht in der glücklichen Lage, den Sportvereinen vorerst so gute Hilfsmittel zu bieten, wie den Turnvereinen. Dies ist durch den Umstand erklärlich, daß wir in Galizien, wo der Sport ein noch allzu junges Erziehungsmittel ist, nicht nur in unsere Mitte, sondern im allgemeinen keine fachmännisch ausgebildeten Kräfte haben. Das Organisationskomite ist deshalb vorderhand außerstande, Fachweisungen und Ratschläge zu erteilen. Die Frage ist aber leicht gelöst, wenn wir den Standpunkt einnehmen, daß unsere Sportvereine die phys. Wiedergeburt der Juden bezwecken. Unsere Sportvereine dürfen sich nicht mit denen anderer Nationen vergleichen. Bevor der galizische Jude berufen sein soll, mit anderen Völkern in sportlicher Hinsicht zu wetteifern, müssen ihm die Kräfte wiedergekehrt, die Lunge gesundet, der Brustkorb erweitert werden. Dies ist der momentane Zweck jüdischer Sportvereine. D‘e Sportvereine sind weder durch das Ausmaß des Saales noch durch die An-