Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 217 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 217 zur Landung erkoren hatten. Wir wendeten gegen den Strom und enterten eine Wiese. Das Boot wurde aus dem Wasser gehoben und fein säuberlich ins Gras gestellt. Wir selbst fanden Unterkunft in einem netten Gasthaus und schmausten nach Herzenslust. Dazu gab es einen Terlaner, mit dem wir ein donnerndes Hedad dem jüdischen Sport ausbrachten. Am folgenden Tage wurde die Ivria früh zu Wasser gebracht. Wir arbeiteten fleißig durch die Gegend und passierten Deggendorf. Bald ersoß die Isar ihr grünes Bergwasser in die Donau, der Strom wurde wieder schneller; jetzt rückten auch die Berge zusammen, der Flußboden wurde felsig, und der Steuermann lugte eifrig aus, um über das Wasser hinausragende Blöcke zu vermeiden und sich in der richtigen Fahrstraße zu halten. Einmal fuhr das Boot beinahe in ein Wehr, aber wir ruderten kräftig, und bald war die schwierige Stelle überwunden. Bald hatten wir Vilshofen, das Ziel der heutigen Reise erreicht und fanden bei dem dortigen Ruderklub gastfreundliche Aufnahme. Der nächste Tag sollte eigentlich der völligen Ruhe gewidmet sein. Da aber Passau nur 25 Kilometer entfernt lag, setzten wir uns doch in den Kahn und fuhren durch eine wunderschöne Gegend bis in die Stadt. Hier badeten wir in der herrlichen Donau, machten uns landfein und nahmen ein opulentes Mittagsmahl zu uns auf dem freien Platze vor dem Rathaus, wo man einen entzückenden Blick auf das steil aufragende andere Flußufer und das Leben und Treiben an der Dampferanlegestelle genießt. Nachdem unser Geschmacks- und Gesichtssinn sich gesättigt hatten, charterten wir einen Fiaker, der uns bei dem Sonnenbrand zur alten Feste hinauftrug. Am Nachmittag spazierten wir noch in Passau umher; es ist ein reizendes Städchen meist mit Barockhäusern und -kirchen. Nur ungern trennten wir uns am nächsten Tage. Auf dem Programm des Vormittags stand der Jochenstein. Es stellte sich heraus, daß der Wogenschwall an dem vielleicht 20 Meter hohen, mitten im Strom gelegenen Felsen zwar sehr stark, Jedoch für vorsichtige Ruderer ganz ungefährlich ist. Gleich hinter dem ■lochenstein passierten wir in Engelhardszell die österreichische Grenze, und dort, begann wohl der schönste Teil der Tour. Der Leser stelle sich vor, ein Flußbett, vielleicht 80—100 Meter breit, mit Ufern, die bewaldet mehrere 100 Meter steil emporsteigen. Die Donau erinnert hier an romantische Alpenseen, die im Baedecker mit mindestens drei Sternen geschmückt sind. Nachmittags gegen 4 Uhr, als wir die Schiffsbrücke in Aschach passiert hatten, änderte sich das Bild: öde und verlassen. Hier wurde nur gerudert und gerudert, zwei Stunden unaufhörlich, bis die Ufer sich wieder erhoben, und den Blick grüne Matten und Berge erquickten. Gegen 7 Uhr erreichten wir Linz nach einer sehr anstrengenden Tagesfahrt. Zum Schluß bestanden 'vir noch ein kleines Abenteuer. Wir gedachten an einer Badanstalt zu landen, welche sich vielleicht 150 Meter vor einer großen Brücke befindet. Als der Steuermann das Boot "enden ließ, um gegen den Strom an die Badeanstalt heranzufahren, wurden "ir bis auf 8—10 Meter an einen Brückenpfeiler herangetrieben. Die unmittelbare Gefahr wurde anfangs gar nicht von allen erkannt, dann aber wurde mit aller Kraft gezogen, eine bange Minute lang; wir waren fast gar nicht von dem Pfeiler weggekommen; die Anstrengungen wurden gesteigert.