Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 213 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 213 hinaus und beginnt im studentischen Leben alte Formen und Traditionen zu brechen und neue zu schaffen. Das wird der Zentralverein begreifen, und es wird ein fröhliches Kesseltreiben anheben. Zuerst wird er der Bundesleitung eine Erklärung entlocken, die gewiß im besten Falle nur gewunden ausfallen wird, dann aber wird er den Provinzialschulkollegien klar machen, daß der Wandervogelgeist kein echter deutscher Geist sei. Man wird auf den Ausgang dieses Streites gespannt sein dürfen. Denn da der Wandervogel auf die Sympathie der Schulbehörden angewiesen ist, so wird er es nicht ganz leicht haben, die Gegnerschaft des Zentralvereins zu parieren. Uns interessiert der Vorgang mehr von einer anderen Seite! Denn es gilt nun, den deutschen Juden’ an diesem neuen Beispiel klar zu machen, daß es von vornherein ein (gewiß verständlicher) Fehler war, die Kinder in den Wandervogel zu schicken. Nie konnte es dort eine so harmlose und glückliche Freude und eine so ungezwungene und freie Aussprache der älteren Jungen geben, wie wir sie in unserm neuen jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß“ kennen. Zwar schuf man den jüdischen Wanderbund ,.Biau-Weiß“ nicht, weil der Wandervogel antisemitisch war, sondern eher, weil er nicht antisemitisch war, um das jüdische Gemeinschaftsbewußtsein in den Kindern frühzeitig zu erwecken und nicht in fremder Umgebung verkümmern zu lassen. Aber doch war es schon damals ein Argument für den Jüdischen Wanderbund, daß die Kinder auch in einem offiziell neutralen Wandervogel Demütigungen ausgesetzt waren, die man gerade Jungen und Mädchen, die noch in der Entwicklung begriffen sind, am ehesten ersparen sollte. Jetzt aber ist es höchste Zeit, an allen Orten den Jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß“ zu begründen, eine Jugendgruppe, in der Kinder zu Menschen erzogen werden sollen, die fest zu ihrer nationalen Gemeinschaflt halten, die es für keine Ehre und kein Glück halten, im Wandervogel mitwandern zu dürfen. Jetzt darf der günstige Moment nicht versäumt werden! Der Wandervogel und der Pfadfinderbund werden bald „judenrein“ sein. Aber es werden, — das weiß man aus analogen Beispielen, — andere „christliche" Verbände entstehen, Schmutzpflanzen der assimilatorischen Parität, Vereine, in denen in Wahrheit nur jüdische Jungen ihre Wanderungen und Kriegsspiele veranstalten werden, und in die sich nur selten ein christlich-deutscher Junge verirren wird. Das ist die Gefahr, und sie ist näher als man denkt, denn schon heute ist ein Verband wie die „Blau-weiß-blaue Union“, wenigstens in Berlin, unverhältnismäßig stark mit Juden durchsetzt. Schon regen sich auch jüdische Händel um eine neue Bewegung zu schaffen, die noch kultivierter und deutscher ist als der Wandervogel, und wenn der Wandervogel seine Zusage zur Beteiligung am freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner bei Kassel im letzten Augenblick zurückgezogen hat, so tat er es sicher auch aus dem Grunde, weil ihm dort oben zu viel Juden waren. E r hat von dorther nichts zu fürchten, aber unsere Gefahr ist es immer wieder, daß sich die jüdische Jugend mit ihrer ganzen Liebe an die hochtönenden Worte und Versprechungen jeder neuen Bewegung hängt. Suchen wir den Idealismus, der in der jüdischen Jugend noch immer lebt, uns zu gewinnen!