Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 211 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 211 Ein anderer, nämlich Herr Dankwart Q e r 1 a c h aus Berlin-Lichterfelde, hat folgendes zu sagen: „Wenn ein durchaus germanisch aussehender junger Mann vor einiger Zeit zu mir äußerte, als einige nett aussehende junge Mädchen an uns vorbeigingen: „Ach, die Unschuld hab’ ich gern, aber nicht, wie du vielleicht denkst, um sie zu erhalten, sondern um sie zu genießen,“ so sehe ich in diesem Gegenteil von Ritterlichkeit eine durchaus ungermanische Anschauungsweise; wenn man sieht, wie der Gesellschaftstanz heute mehr und mehr geil und schleimig wird, wie das flache und gemeine Theater gegenüber dem Kuten an Raum gewinnt, wie die Frivolität und die Geringschätzung des Weibes allgemein zunimmt, so erkennt man, wie niedere, ungermanische Auffassung im öffentlichen Leben in wachsendem Maße überwuchern und auch in den Köpfen allzuwenig Artbewußt^r und Artstolzer (d. h. der meisten!) germanischer Menschen an Boden gewinnt. Diese Entwicklung vollzieht sich unter ständig wachsendem jüdischen Einfluß, der aus den niederen Instinkten geschäftlichen Vorteil zu ziehen weiß, und dem die mit der sittlichen Verlotterung wachsende Urteilslosigkeit zugute kommt. Im Gegensatz zu dieser allgemeinen zeigt erfreulicherweise der Wandervogel die umgekehrte Entwicklung, daß germanische Denkart* in schlichtem Naturgefühl, in reiner Anschauung der Beziehungen der Geschlechter herrschend wird auch in den weniger germanischen Wandervögeln. Die Frage, ob wir Juden im Wandervogel haben dürfen, ist im wesentlichen danach zu beantworten, ob wir glauben dürfen, sie gleichsam verdauen zu können, germanische Gefühls- und Denkweise ihnen einzuflößen. Ich muß allerdings gestehen, diese Aussicht scheint mir sehr gering. Ich kenne im Wandervogel eine ganze Menge Juden verschiedenster Altersklassen, ich habe aber noch keinen gefunden, der innerlich ein rechter Wandervogel gewesen wäre. Ich -habe mir durchaus Mühe gegeben, sie zu verstehen, ich bin ihnen nicht aus dem Wege gegangen, eben weil ich ihnen gerecht werden wollte, auch gegen meine Neigung.“ Herr K. Bloeck meint: „wer nicht wie die Zittauer handelt, übt Selbstmord“, und die „Schriftleitung“ versichert, das Wohlwollen des bekannten Ritualmordgläubigen Stauff wiedererrungen zu haben, der ihre zu milde Haltung im Zittauer Falle getadelt hatte. Das ist also das Ende vom Liede! Es ist die alte Tragikomödie. Wieviel jüdischer Idealismus und wieviel jüdisches Geld steckt in der deutschen Jugendbewegung! Wieviel jüdische Studenten haben im Wandervogel geführt und gearbeitet! Noch ist der Wandervogel kaum zehn Jahre alt, und schon heißt man die Juden gehen. Uns wird es leicht fallen, die Situation von innen heraus zu begreifen. Schwerer werden sich unsere jüdischen Gegner in die neue Lage finden, die Menschen etwa, die den jüdisch-christlichen Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ — zur Belehrung aller vorübergehenden Christen — in die Fassade der neuen Berliner Synagoge in der Fasanenstraße eingemeißelt haben. Man wird sagen: Die Führerzeitung ist nicht das amtliche Organ des Wandervogels, — noch hat die Bundesleitung und der Bundestag nicht gesprochen, — wer weiß, ob alle Führer