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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-10-01 · 7 (Oktober/November 1913) · p. Seite 208

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
7 (Oktober/November 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 208 (sequence 14)
Language
German
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208 No. 7 ebenso schönen, wie von innen schmutzigen Anblick bietet. Wir badeten in den heißen Quellen und schwitzten weidlich. Der achtstündige Marsch nach Nazareth (16. April) auf der Pilgerstraße brachte weniger Interessantes. Von Nazareth stiegen wir wieder in die Ebene Jesreel hinab nach Merchawja und benutzten dann von El fule die Hedschasbahn nach Haifa. Hier weilten wir — von Dr. Schemarjahu Lewin und Dr. Auerbach freundlichst geführt — drei Tage, um Abschied von Erez Jiszroel zu nehmen. Noch ist dieser Ort, den Herzl zum Schauplatz seines Zukunftstraumes machte, die unjüdischste Stadt Palästinas. Aber schon weist der aufstrebende Bau des jüdischen Polytechnikums, das die ganze Stadt überragen wird, darauf hin, daß auch hier jüdisches Wollen am Werke ist. Und als wir uns einschiffen (20. April) und noch einmal zurückschauten auf das Land, das uns in den wenigen Wochen lieb geworden ist, wie nur eine Heimat es sein kann, da blickten wir auf das jüdische Polytechnikum, wie es die arabische Stadt überragt, und es erschien uns wie das Symbol einer künftigen Zeit. Die erste Palästinafahrt gehört der Vergangenheit an. Sie war für uns ein Erlebnis, wie wir kein größeres nur denken können. Sie hat ein unzerreißbares Band zwischen uns und Erez Jißroel geschlungen. Wir sind durch Palästina bessere und — was dasselbe besagt — freudigere Juden geworden. Wir wissen jetzt: wir werden vorwärts kommen, wenn wir arbeiten werden. Und daß unser Ziel des Strebens wert ist, das haben wir gelernt. Wir haben uns ein neues, zukunftsfrohes Judentum erwandert. Von nun ab soll die Wallfahrt junger Juden ins alte Heimatland ein alljährliches Ereignis werden, eine neue, innige Verbindung knüpfen zwischen dem Qolus und dem Lande unserer Vergangenheit und unserer Zukunftshoffnung. Demaskierung im Deutschen Wandervogel. Von Dr. Felix R o s e n b 1 ü t h (Berlin). Die Beilisaffäre und die hohen Feiertage haben liberalen Kanzelrednern in Berlin Gelegenheit gegeben, einem ungewöhnlich großen Zuhörerkreis die Vorzüge unserer gesicherten Lage in Deutschland in satten Farben auszumalen. Da kam gerade zur rechten Zeit, da es galt, die Symbolik des Laubhüttenfestes einer neuen Predigt über unentwegtes Deutschtum nutzbar zu machen, ein kleiner Zwischenfall, der die wahre Situation mit greller Deutlichkeit beleuchtet. Ich meine eine antisemitische Schwenkung oder besser: Demaskierung in der Deutschen Wandervogelbewegung, die über kurz oder lang eine öffentliche Judendebatte von ansehnlichem Umfange entfesseln wird. Der „Wandervogel“ ist eine Frucht der modernen deutschen Jugenderziehungsbestrebungen, die, abseits von den alten Bahnen, neue Wege nnd Ziele suchen, und zugleich ihre bedeutendste und populärste Schöpfung. Es ist allgemein bekannt, daß der Wandervogel die intellektuelle Jugend der höheren Schulen durch Erweckung und Pflege des Naturempfindens und der Heimatsliebe zu einer natürlichen, gesunden und freudigen Auffassung des Lebens erziehen will. Jeder kennt auch, trotz der kurzen Zeit seines Bestehens, wenigstens ungefähr seine Erziehungsmethoden, die Art des Wandervogellebens, und jeder weiß, daß die Jungen und Mädchen, die Sonntags in

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