Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 206 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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706 No. 7 Von Jerusalem schieden wir im Regenwetter, dem für die Landwirtschaft unersetzlichen Malkosch. Wir benutzten die Bahn durch das meist unbebaute, von Jurakalk gebildete Gebirge bis Ramleh (1. April). Von dort ging es zum zweiten Teile des Herzlwaldes, zur Nationalfond-Farm Benschemen. Wieder führte uns Wilkansky und beantwortete geduldig alle unsere Fragen, die nach echter Städtermanier nicht immer von großem Sachverständnis zeugten. Von dort ging es auf schweren, durch den reichen Regenfall lehmig gewordenen Wegen in die deutsche Templer-Kolonie Wilhelma. Wir konnten vergleichen. Bemerkten insbesondere die Sorgfalt, mit der die Deutschen durch Anpflanzung von Wegbäumen und Vorgärten ihrem Dorfe ein trauliches Ansehen zu geben suchen. Erst spät, in vollständiger Dunkelheit, trafen wir in Petach Tikwah ein, von den Schomerim, den Makabim, den Kindern und der ganzen Kolonie feierlich eingeholt. Am folgenden Tage besichtigten wir die Kolonie und turnten abends mit den Makabim, die unter Leitung eines Kolonistensohnes, Kadetten an der Offiziersschule in Konstantinopel und tüchtigen Turners, Frei- und Geräteübungen zeigten. Auch hier turnten wir schließlich gemeinsam, und was unsere Unkenntnis der hebräischen Sprache uns an Vorwürfen eingebracht hatte, das machte dann unsere Turnerei wieder gut. Sie ließ auch hier Ost und West einander leicht verstehen. Der nächste Tag (3. April) brachte einen Weiteren Marsch, bei dem wir unser Gepäck durch einen Wagen nachfahren ließen, nordwärts nach Chederah, von wo uns schon fast den ganzen Nachmittag hindurch die zur Austrocknung der verhängnisvollen Sümpfe angelegten Eukalyptushaine — neben dem Karmel die einzige an Wald leise erinnernde Stelle Palästinas — entgegenwinkten und uns lange Zeit unser Ziel näher erscheinen ließen, a's es in Wirklichkeit war. Auch hier ein herzlicher Empfang und reichliche Vorsorge für unser Wohl. Wir hörten viel von den Opfern, die hier das Fieber gefordert hat, und besuchten den Friedhof, der uns mit eindringlicher Sprache erzählte von jüdischer Beharrlichkeit, jüdischem Opfermut, von jüdischem Idealismus. In Sichron verlebten wir den Schabbos. Sichron ist unstreitbar die am schönsten gelegene Kolonie mit ihrem Blick auf das Meer, die Ebene und das Gebirge, in das die Abbauten Umm el dschemal, Em el Tut, Schweja eingebettet sind. Sonntag (6. April) ging es in aller Frühe weiter und zwar zunächst nordwärts zur Versuchsstation Atlit, von wo uns deren derzeitiger Leiter, Herr Dr. Beermann, einen Führer über den Karmel in die Ebene Jsrael nach Merchawja versprochen hatte. Der Marsch zog sich etwas in die Länge, und so war es mittag, als wir von Atlit losmarschierten. Zunächst aufwärts auf den mit kniehohem Gestrüpp bewachsenen Karmel, mit prächtigem Rückblick auf das Meer. Auf der Höhe kamen wir durch ein Drusendorf, Safurije, dessen Bewohner sich durch ihre helle Hautfarbe, Körperschönheit und Sorgfalt der Kleidung merklich von den Arabern unterscheiden. Unser Durchmarsch schien bei ihnen eine gewaltige Aufregung zu verursachen. Der Abstieg brachte uns einen unvergleichlichen Blick auf die fruchtbare Ebene. Schwierig gestaltete sich die Ueberschreitung des infolge der letzten Regen angeschwollenen Kison, den wir — bis über die Körpermitte im Wasser ~~ durchfurteten. Schon dämmerte es, als wir alle herüber waren, und als wir die Strecke der Hedschasbahn erreichten, war es vollkommen dunkel. Zum Ueberfluß stellte es sich heraus, daß unser arabischer Führer nicht Bescheid wußte, und der Weg auf dem Schienenstrang überaus beschwerlich war. Kurz vor Mitternacht machten wir Halt und entschlossen uns wohl oder übel zur Nachtruhe unter freiem Himmel. Sechs Leute wurden vorausgeschickt,