Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 205 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 205 Unsere Palästinaturnfahrt.*) Von Siegfried Rosenbaum (Königsberg). Die Unterstützung der palästinensischen Turnsache durch die Jüdische Turnerschaft ist um so notwendiger, als die Turnbewegung der Kern der gesamten jungjüdischen Bewegung Palästinas werden kann, zum Teil sogar bereits ist. Daraus erwächst ein doppelter Vorteil. Einmal die Schaffung eines körpergewandten, muskelkräftigen palästinensischen Nachwuchses. Denn bei der Intensität des Willens zum Nationaljudentum, wie wir ihn gerade jetzt — bekanntlich sehr im Qegensatz zu wenig zurückliegenden Zeiten, wo noch ein sehr beträchtlicher Teil des männlichen Nachwuchses der Kolonien auszuwandern pflegte — in starkem Erstehen wahrnehmen konnten, wird drüben eine jüdische Turnbewegung als die nationale Jugendbewegung wirklich weiteste Kreise umfassen. Umgekehrt Wird wie bei uns auch drüben durch das Turnen eine wirksame nationale Propaganda betrieben werden können. Und zweitens: die Einwirkungen einer kraftvollen Palästinensischen Turnbewegung auf unsere Turnerei im Qolus geben für uns eine weite, noch unermeßbare Perspektive. Sie werden vielleicht in unserer Bewegung ein neues Leben, eine neue jüdisch-turnerische Entwicklung hineintragen können. Schon unsere erste Palästinafahrt gab uns hierfür Andeutungen. Allein daß wir jenen starken nationalen Willen drüben kennen lernten, war für ein Erlebnis. Am stärksten ausgeprägt sahen wir diesen Willen in der Lehrerschaft. Aehnlich dem Volksschullehrer in der Entwicklung der preußischen Monarchie scheint sich der palästinensische Lehrerstand in unserer nationalen Volkserziehung einen besonderen Ruhmestitel erwerben zu wollen. Es kann uier nicht der Ort sein, auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, die sich dem Schulwesen entgegenstemmten. Daß wir schon heute von Erfolgen sprechen können, ist einzig der rastlosen Arbeit der zum großen Teil hervorragend national gesinnten Lehrerschaft zu danken. Männer wie Jellin und1 Qoldsniid in Jerusalem, Wilkomitsch in Rosch Pinah und Soffermann in Safed erfüllten uns mit einem eigenartigen Gemisch von höchster Achtung und — Neid. Neid, weil es ihnen vergönnt ist, so Öroßes für unser Volktum zu tun. Und ihen nicht nachstehend die jüdischen Kolonisten. Nie wird uns J®ner Abend aus dem Gedächtnis schwinden, an dem wir von Jerusalem nach Mozah wanderten, dort von einem alten Kolonisten ins Judäfsche Qebirge geführt wurden zu jener Cypresse, die einst Herzl gepflanzt hat. Wie er un® dann da oben unter dem nächtlichen Sternenhimmel so schlicht und bescheiden von Herzl erzählte, von der Kolonie, jahrzehntelanger, entbehrungsvoller Arbeit, Mißernte, Seuche, Unfälle aller Art. und von der Selbst- VLändlichkeit, auszuharren. Und wie wir stumm und ergriffen ihm nicht einmal zu danken vermochten, bis unser Oefühl endlich in er Hatikwah seinen Ausdruck fand. Je 7on besonderem geographischem Interesse war eine ebenfalls von erusaiem unternommene zweitägige Wagenfahrt hinab zum Toten Meer und re-u ^ericbo (30. bis 31. März). Die Fahrt am tief zerklüfteten, von zahlichen Einsiedlern bewohnten Wadi el kelt, der Anblick des wie eine getrff* ®e'masse daliegenden Toten Meeres (ich kenne kaum eine ähnlich enende geographische Bezeichnung), das Bad in diser Salzlauge, in der ah«" Wet*er untersinken noch zu tauchen vermag und die kleinste Hautj cbür(ung wie brennendes Feuer empfindet, die Nacht im tropisch heißen ncho, alles war eine ununterbrochene Reihe unvergeßlicher Eindrücke. *) Vergl. Heft IV u. V.