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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-10-01 · 7 (Oktober/November 1913) · p. Seite 202

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
7 (Oktober/November 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 202 (sequence 8)
Language
German
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202 No. 7 ist, wird allgemein unterschätzt: Kaufgesuche im Werte von Hunderttausenden Francs müssen zurückgewiesen werden, weil es an Mitteln fehlt, das Land zu erwerben, das meist nur in ganz großen Komplexen, zu ständig steigenden Preisen zu haben ist und dann erst parzelliert werden muß. Die Verschiedenartigkeit der Aufgaben von J. C. T. und P. L. D. C. bringt es mit sich, daß jener, unter möglichster Vermeidung jedes Risikos, nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten verfährt, während die P. L. D. C. als eine Kolonisationsgesellschaft, die Neuland erschließen, will, naturgemäß von vornherein mit einem großen Risiko arbeitet und die Erfahrungen, die sie sammelt, oft mit schwerem Gelde bezahlen muß. Der schärfste Vorwurf, den man dem heutigen Zionismus machte, war wohl der, daß er lediglich die Ansiedelung einer Anzahl Juden in Palästina bezwecke, daß er aber die früheren höheren Ziele aus den Augen verloren habe. Nun haben wir schon längst eingesehen, daß die Bedeutung des Herzischen Zionismus nicht in den besonderen Mitteln liegt, die sein Schöpfer benutzte, sondern daß die nationale Idee ihm seine Eigenart und Größe verleiht. Aber auch in gegenständlicher Beziehung dürfte der Vorwurf, der Zionismus sei kleiner geworden, gerade durch den letzten Kongreß entkräitet sein. Kein Teil der Verhandlungen hat eine derartige Begeisterung bei Delegierten und Tribünenpublikum hervorgerufen wie die Universitätsdebatte. Fast einmütig sprach sich der Kongreß für die Gründung einer Universität in Jerusalem aus, und gerade diejenigen traten am wärmsten für das Projekt ein, die man als die Anhänger des sog. praktischen Zionismus zu bezeichnen pflegt. Die Gründung einer Universität ist gewiß kein Unternehmen, das im Rahmen einer bloßen Kolonisationsbewegung — und sei sie noch so großzügig — liegt; sondern nur eine Volksbewegung, die die physische und kulturelle Wiedergeburt einer ganzen Nation zum Ziele hat, wird an derartige Pläne herangehen. Man hat gegen das Universitätsprojekt eingewendet, daß wir zurzeit dringendere Aufgaben in Palästina hätten und ferner wurde von anderer Seite gegen das Universitätsprojekt geltend gemacht, erst brauche man Volksschulen, dann kämen die Gymnasien, mit deren Gründung man ebenfalls voreilig gß' wesen sei, und ganz zuletzt, wenn das Land dazu reif sei, die Universität. Wenn man aber Gymnasien und Universität an den Anfang stelle, so kehre man die natürliche Entwicklung um, und man trage in das Land einen Intellektualismus und geistige Prätentionen hinein, deren Ueberwindung wir gerade erhoffen. Die Logik dieses Gedankenganges hat etwas Bestechendes, und doch führt sie gerade irre. Denn das Leben verfährt eben nicht nach den Gesetzen der Logik. Tatsache ist, daß heute bei den palästinensischen Kolonisten fast dieselben geistigen Aspirationen bestehen, wie bei den anderen Juden, daß also viele ihre Söhne studieren lassen. Das wird man von unserem Standpunkte aus bedauern, aber die Tatsache läßt sich nicht unterdrücken. Die Umgestaltung der Juden wird sich eben auch nur viel langsamer vollziehen, als wir wünschen und gehofft haben. Jedenfalls würde man durch die Nichtgründung der hohen Schulen nicht das Bedürfnis unterdrücken, sondern die palästinensische Jugend auch weiterhin ins Ausland treiben, wohin sie heute geht. Dort werden sie entjudet und die wenigsten von ihnen mögen in die Heimat zurückkehren. Eine palästinensische •— natürlich hebräische Universität würde einen erheblichen Teil der einheitni-

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