Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 201 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/6492379-5965024-5965361--239-4922424- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 7 20t große Ideale ersetzt zu werten. Diese Unglückspropheten werden jetzt wohl verstummen. Was zunächst den Vorwurf des Unpolitischen betrifft, der auf dem Kongreß nur noch von einzelnen Außenseitern erhoben wurde, so will ich hier die Worte von Motzkin wiederholen, den man nicht als Parteimann ansprechen kann und der wohl die beste Rede zur Generaldebatte gehalten hat. Mit welchem Rechte, so sagte Motzkin, nimmt man sich heraus, zu sagen, daß diejenigen, die gerade für die jetzige Politik sind und den Hauptwert auf die Arbeit mit dem Orient legen, nicht politische Zionisten sind, diejenigen aber, die für die andere Politik sind und den Hauptwert auf die Arbeit mit dem Okzident legen, wohl politische Zionisten sind? Verständlich wäre es nur, wenn man sagte, es seien politische Zionisten, aber ihre Politik sei falsch. Weiter sagte Motzkin, wenn man behaupte, die Erfolge der jetzigen Politik treten nicht mit Klarheit hervor, so sei das kein Beweis, denn damit könnte man unsere gesamte zionistische Arbeit in der Vergangenheit widerlegen. Das sind alles Sätze, deren Logik sich niemand wird entziehen können. Man wird auch in Zukunft — so hoffe ich — die Politik der Leitung kritisieren, man wird auch in Zukunft die Eignung mancher an der Leitung beteiligten Personen für Politische Maßnahmen in Zweifel ziehen dürfen, aber man wird endlich aufhören, den Zionismus derer, die ein bestimmtes Arbeitsprogramm vertreten, als minderwertig und klein gegenüber dem Zionismus der andern Richtung hinzustellen. Der andere Vorwurf ist der der unüberlegten Kolonisation ohne genügende Garantien. Ich will mich hier damit begnügen, darauf hinzuweisen, daß der Kongreß, wie ich meine, einstimmig, die Palästinaarbeit der Leitung gebilligt und deren Fortsetzung auf der bisherigen Grundlage gefordert hat. Jch bitte aber alle, die für den Zionismus Interesse haben, das Palästinareferat von R u p p i n eingehend zu studieren. Sie werden daraus die Grundzüge eines Systems der Palästinaarbeit ersehen, dem bisher noch nichts Gleichwertiges an die Seite gesetzt worden ist. Dabei mag auf die vielfach unterschätzte Gefahr hingewiesen werden, daß andere Interessenten uns in der Kolonisation Palästinas zuvorkommen. Diese Gefahr kann nur von Leuten bestritten werden, denen es an den elementarsten Palästina-Kenntnissen fehlt, und schon diese Sachlage zwingt uns, die Arbeit im Lande allen verfügbaren Mitteln zu betreiben. Welch wichtige Rolle hierbei die P. L.D. C.*) zu spielen berufen ist, das mag, wer es noch nicht wußte, aus Ruppins Ausführungen lernen. Sie steht an Wichtigkeit dem «LC.T.**) vollkommen gleich, und es ist die schlimmste Erscheinung unserer Siedelungsarbeit, daß es ihr an einem entsprechenden Kapital fehlt, während es die Aufgabe des J. C. T. ist, Geld auszuleihen und dadurch die Erwerbstätigkeit im Lande jeder Art anzuregen, fällt der P. L. D. C. die eigentlich kolonisatorische Tätigkeit zu: sie soll, wie es in der zionistischen Terminologie heißt, die „Bedingungen schaffen“, d. h. die Bedingung für die Einwanderung. Sie soll also insbesondere Land kaufen und es für die Beürfnisse der einzelnen Reflektanten zurecht machen. Wie groß deren Zahl *) p, l, Company. v . **) J. C. -Kolonialbank). D. C. Abkürzung für The Palestine Land-Development T. Abkürzung für The Jewish Colonial Trust (Jüdische