Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 7 (Oktober/November 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 203 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 203 sehen Jugend dem Judentum erhalten, und ebenso würde sie judaisierend wirken auf die Menge russischer Studenten, die sie aufsuchen würden. Denn es ist in erster Reihe und zunächst an die Oründung einer medizinischen Fakultät gedacht, die das Bedürfnis unseres Volkes ja am dringendsten fordert. Danach könnte man an die Schaffung von Lehrstühlen für jüdische Wissenschaft denken, die ja heute leider fast ausschließlich von Christen gepflegt wird. Wie wertvoll an sich eine Universität für unser nationales Erziehungswerk wäre, darüber herrscht kein Streit. Als Preußen vor hundert Jahren seinen Regenerationsprozeß durchmachte, als man daranging, durch Reorganisation des Heeres, Befreiung des Bauernstandes, Einführung der Selbstverwaltung usw. die Volksbefreiung vorzubereiten, da brachte man auch don Sinn und die Mittel auf, um in der Landeshauptstadt eine Universität zu errichten, weil man eben wußte, wie mächtig die geistigen Kräfte für die Erweckung nationalen Sinnes zu wirken vermögen. Eine gleiche Rolle ■st auch unserer Universität zugedacht. Möge auch uns ein Fichte erstehen, der von Jerusalem aus seine Reden an die jüdische Nation hält! Den größten Raum beanspruchte auf dem Kongresse die Bankf^age, ohne daß man ihr eine entsprechende Wichtigkeit beimessen könnte. Sie soll deshalb, und gleichzeitig weil sie allzuweit in das Gebiet innerzionistischer Streitfragen hineinführt, hier nur in Kürze dargestellt werden. Es handelt sich um folgendes. Auf dem vorigen Kongreß war die alte Leitung abgesetzt und eine neue nach dem sogenannten „praktischen" Programm gewählt worden. Während aber die Parteileitung wechselte, blieben die Finanzinstitute in den Händen einzelner Männer des alten Regimes. Das Engere Aktions-Comitö verlangte nun, daß auch die zionistischen Banken seiner obersten (politischen, nicht kaufmännischen) Leitung unterstellt und daß der Nationalfonds nach Berlin in seine Einflußsphäre verlegt werde. Es begründete seine entsprechenden Anträge damit, daß die Trennung unnatürlich sei, der verantwortlichen Parteileitung vielmehr billiger- und zweckmäßigerweise auch das allgemeine Verfügungsrecht über die finanziellen Mittel der Organisation gebühre, daß weiter die Beibehaltung der Trennung ein ständiges Mißtrauensvotum gegen die derzeitige Leitung bedeute. Dieses Mißtrauensvotum sei um so weniger berechtigt, als gerade die beiden letzten Jahre ein Sonstigeres finanzielles Ergebnis gebracht hätten als irgend eine frühere Kongreßperiode: zum ersten Male stehe das E. A. C. ohne neue Schulden, 13 sogar mit einem kleinen Ueberschuß da. Im übrigen habe die Trennung zu erheblichen Schwierigkeiten und Reibungen zwischen den einzelnen Fak- °ren geführt. Demgegenüber meinten die Gegner, deren Sprecher Wolfsohn, der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bank, war, man dürfe die inanzinstiute nicht einer Leitung unterstellen, die selber von der wechselnen Majorität des Kongresses abhängig sei; dem derzeitigen Aktionskomitee enle außerdem die Befähigung, Kapitalien sachgemäß zu verwalten; gleichzeitig drohten die Leiter der Bank für den Fall der Annahme der Anträge mit Rücktritt. Um derartige Konflikte zu vermeiden, begnügte sich das n'i A' Cmit einem Kompromiß, wonach drei Männer seiner Richtung in das rektorium der Bank hinzugewählt wurden. — Der Kongreßberichterstatter darf, wenn er ein richtiges Bild vom Konre“ und der Kongreßstimmung geben will, sich nicht auf den Kongreß selbst