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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-10-01 · 7 (Oktober/November 1913) · p. Seite 198

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
7 (Oktober/November 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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198 No. 7 tiefen Ring, der bereits das ganze Gelände umgab. Polizei und Ordner verschwanden in dem flutenden Gedränge und neue Reihen schlossen sich an den alten Ring in unruhigem Drängen, bis die Klänge der „Hatikwah“ den Einzug der Turner und Turnerinnen ankündigten und nun aller Augen dem Schauspiele zugewandt waren, das sich in farbensatter Schönheit immer fesselnder entfaltete. Es war aber auch sehenswert! Voran die Züge unserer Jüngsten, des Wanderbundes „Blau - Weiß“, mit der verhüllten Fahne, die zum ersten Male an diesem denkwürdigen Tage enthüllt und mit markigen Worten von dem Vorsitzenden der Jüdischen Turnerschaft, Rechtsanwalt Greifenhagen, geweiht wurde, und dann der wohl dreihundert Meter lange Zug der jüdischen Turner und Turnerinnen, die von Nord und Süd, von Ost und West herbeigekommen waren, nicht um Ruhm zu erlangen oder Preise zu erringen, sondern um vor aller Welt zu zeigen, daß ein altes Volk wieder jung werde und auch an physischer Kraft und Ausdauer, an körperlicher Anmut und Ausbildung hinter keinem anderen zurückstehen wolle. Und mit tiefer Dankbarkeit sprach mancher der Aelteren die Worte vor sich hin, die wir an unserem größten Festtage in unserm Gotteshause rezitieren hören: „Aschr6 Ajin roaßoh kol eloh!“ „Heil dem Auge, das dies alles gesehen!“ Und ein Wunder war es nicht, wenn sich so vielen Hunderten die Augen feuchteten von tief innerem Glücke, daß sie das mitansehen durften. Aus dieser Empfindung heraus richtete Schemarjah Lewin seine herzlichen Worte an die Jüdische Turnerschaft, daß er nur einen, leider vergeblichen Wunsch habe, noch einmal jung zu sein, um mit solchen Mitkämpfern in voller Jugendkraft für die körperliche Renaissance der Juden wirken zu können, aus dieser tiefen Empfindung heraus wünschte er nicht nur dem Turnfeste vollen Erfolg, sondern auch die tatkräftigste Unterstützung der jüdischen Turnsache durch alle jene, die noch an eine große Zukunft des jüdischen Volkes glauben und für sie ihre beste Kraft einsetzen wollen. Es wäre vergebliches Bemühen, diesen Gesamteindruck durch den Hinweis auf Einzelheiten zu erklären. Wohl war das Männerturnen eine Augenweide für jeden Kenner, auch wenn keine Rekordleistungen gezeigt wurden. Wohl leisteten die einzelnen Damenriegen Vorzügliches und der Jüdische Frauenbund für Turnen und Sport in Berlin, die Wiener und Brünner Turnerinnen boten oft vorzügliche und immer anmutige Leistungen, ohne daß Außergewöhnliches vorgeführt wurde. Das war aber auch gar nicht der Zweck! Die allgemeine harmonische Ausbildung körperlicher Fähigkeiten sollte vor Augen geführt werden, die Sicherheit und Eleganz, die erst die Kraft verschönt. Da waren die schwedischen Uebungen des Galizischen Kreises ebenso bedeutend, wie die kombinierten Uebungen des Ersten Wiener Jüdischen Turnvereins, die Barrenübungen der Damenriege des Berliner Bar Kochba, der Posener Herren, der Wiener Turnerinnen am hohen Schwebebaum und die leichtathletischen Uebungen der Wiener Hakoah, der Ostrauer und Budapester. Daß speziell die Budapester turnerisch Hervorragendes leisteten und mit den Wienern und Berlinern oft erfolgreich um die Palme rangen, war ein Plus, das angenehm empfunden wurde, ohne daß es den Rahmen der anderen Vorführungen wesentlich änderte. Die allseitige, allgemeine Ausbildung zeigte sich am schönsten bei den Freiübungen, die, von etwa 800 Tur-

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