Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 6 (August/September 1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 191 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das sind die Gesichtspunkte, aus welchen die jüdische Turnbewegung in Galizien zu eriassen und zu bewerten ist. Im Jahrs 1901 referierte Dr. Alexander Waldmann in Lemberg vor einem zahlreichen Publikum, über die Notwendigkeit der physischen Entwicklung und erzielte die Gründung des ersten „jüdischen, gymnastischen Vereines“ dem der verstorbene Dr. Heinrich Gabel Vorstand. Nach kurzer Tätigkeit in einem bescheidenen Lokale löste sich der Verein auf, weil er nicht in der Lage war, die notwendigsten Lehrmittel aufzubringen. Im Jahre 1905 gründete Jsrael Zinn einen neuen Verein und arbeitete unermüdlich als sein Vorsitzender. Lehrer und Organisator. Im Jahre 1906 tritt Zinn mit einem gediegenen Referat „Ueber die Physische Erziehung unserer Jugend“ in den Spalten des in Tarnopol erscheinenden Blattes „Das jüdische Wort" vor die Oeffentlichkeit und propagiert mit Erfolg die Gründung des Vereines „Bethar" in Tarnopol, wo Br. J s r a e 1 W a 1 d m a n n an die Spitze trat. Das erste öffentliche Schauturnen, das bald darauf veranstaltet wurde, leistete die beste Propaganda her Tat. Und weitere Neugründungen folgten sehr schnell. Bald war es ein Sportklub „Jehuda“ in Tarnopol, bald ein gymnastischer Verein in Brody, der -.Makkabi" in Krakau (1907), der „Bethar" in Drohobycz (1910) und namentlich in jüngster Zeit Turn- und Sportvereine in Jaroslau, Rzeszow, Tarnow, Horodenka, Kolomea, Stanislau, Czortkow, Cjliniang, Zloczow, Stryi, Sambor. Nadwörna und Zbaraz. In den einzelnen Vereinen entwickeln sich spezielle ^Port- resp. Skoutklubs, wie z. B. in Lemberg, Tarnopol, Drohobycz u. a. Um aber der Sache ganz gerecht zu werden, muß man auch Uber den inneren Ausbau der einzelnen Vereine sprechen. Da gab es freilich keine leichte Arbeit. Es galt das beste System für die Vereine zu finden. Anfangs war man erst auf fremde Lehrer und Vorturner angewiesen. In Tarnopol und |tryj gab es z. B. polnische und ruthenische Lehrkräfte aus den dortigen Sokolvereinen. So borgte man Lehrer und System und übersah fast den fremden Geist, der sich mit ihnen eingeschlichen hatte. Man begnügte sich roit der angeblich indifferenten Marke, während das deutsche System vorherrschend war. Später (seit dem Jahre 1908) nahm das schwedische Astern die Oberhand. Da trat Dr. Heinrich S t e r n e r auf und sagte mit aufrichtiger Unerschrockenheit: Turnen ist gut, Gymnastik ist schön, allerhand Sport ist lobenswert, aber die jüdische Grundlage, der spezifisch jüdische ^harakter darf nicht fehlen. Sagte es und berief mit Ueberwindung aller Hindernisse, die erste allgemeine Konferenz der jüdischen Kymnast. und Sportvereine, (29. Dezember 1912) nach Lemberg ein, welche oie hebräische Kommandosprache für alle Vereine einführte. Und uamit wurde die Grundlage zu ihrer spezifisch jüdischen Entwicklung gelegt. Es waren die richtigen „Pfadfinder“, welche im Jahre 1912 in allen diesen Sport- und gymnastischen Vereinen organisiert wurden. Sie finden und bahnen den richtigen Pfad zum Anschluß an die jüdische Vergangenheit und zugleich zur Brücke für die Zukunft. . Bie Berichte, die aus den einzelnen Vereinen an die Zentrale gelangen, ind beredte Beweise einer steigenden Entwicklung. Das jüdische Turnwesen in Galizien hat auf seinem langen Leidens- P®.Ke> den richtigen Weg gefunden und heute wird mit Kraft und Energie die Rückkehr zum Judentum erstrebt, welche der Rückkehr ins udenland vorangehen muß.