Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 188

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 188 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/6492379-5965024-5965360--221-4922407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

188 No. 6 existenzberechtigt sein wie evangelische oder katholische Turnvereine. Nunmehr geht auch der „Verband der jüdischen Jugendvereine in Deutschland“ daran, Turnabteilungen zu gründen, und entsprechend seinem Neutralitätsprinzip stellt er für seine Turnbewegung den Leitsatz auf, daß „die Pflege der Leibesübungen von einer Verquickung mit politischen und konfessionellen Sonderbestrebungen fernzuhalten“ sei. Unsere jüdischen Turnvereine werden, da sie sich mit Rücksicht auf ihr nationales Programm angeblich einer solchen Verquickung schuldig machen, in Acht und Bann getan; dagegen soll die Betätigung der Neutralen „in den interkonfessionellen Turnvereinen nicht beeinträchtig werden, im Gegenteil ist es erwünscht, daß unsere Turner gleichzeitig auch der Deutschen Turnerschaft, in welcher sie auf klärend (!!!) wirken können, als Mitglieder angehören.“ Man weiß nicht, worüber man sich mehr entsetzen soll: über die Verkennung unserer Turnbewegung, über die völlige Mißachtung ihrer Verdienste für die körperliche Ausbildung der jüdischen Jugend und für die Erhaltung des Judentums oder über die Verkennung der deutschen Turnbewegung. Hat nicht auch diese sich stets der vonden Neutralen gerügten „Verquickung“ schuldig gemacht? Vom Turnvater Jahn erzählt man, daß, wenn er mit seinen Jungen durchs Brandenburger Tor zog, auf dem die Viktoria fehlte, er sie fragte, woran sie dächten, und wenn dann etwa einer seiner Turner nicht an Preußens Schmach erinnert wurde, so gab er ihm eine Ohrfeige. War das keine Verquickung mit „nationalen Sonderbestrebungen“? Oder eine geringere, als wenn wir unsere jüdischen Turner auf die große Vergangenheit unseres Volkes hinweisen, auf die kritische Lage, in der sich die Judenheit zurzeit befindet, und auf unsere jüdischen Zukunftshoffnungen? Heißt es die Turnbewegung mit „Sonderbestrebungen“ verquicken, wenn wir unsere Turner mit Zukunftshoffnungen und Zukunftswillen für unser jüdisches Volk zu erfüllen suchen, wenn wir sie dazu erziehen, daß sie bereit und imstande sind, mitzuarbeiten an der Erhaltung des Judentums und mitzukämpfen für die Qröße unseres Volkes? Man mag unsere Anschauungen über das Judentum bekämpfen, aber man soll aufhören, von einer „Verquickung“ zu reden, wenn wir die Turnidee jüdischen Zwecken nutzbar machen. Jede Turnbewegung muß national sein, und jede wirklich volkstümliche Turnbewegung ist bisher national gewesen. Darum wandelt unsere jüdische Turnbewegung durchaus natürliche Bahnen, während die Neutralen die Turnbewegung des schönsten Momentes, der nationalen Begeisterung zu entkleiden und sie mit dem konstruierten Prinzip der Neutralität zu verquicken versuchen. Und darum kann es für den, der die Entwicklung der Turnidee auch nur oberflächlich kennt und begreift, nicht zweifelhaft sein, daß uns die Zukunft gehört und der Sieg! Die jüdische Turnbewegung in Oesterreich. Von Hans Kohn-Prag. Die Tragödie des Ghetto war seine Dumpfheit: dem Einzelnen wurden Fesseln auferlegt, die ihn knebelten und ihm Luft und Sonne raubten. Fesseln, die zwar einst vom Leben geboren waren und vom Leben Sinn erhalten, am Leben Bewährung gefunden hatten, die nun aber zu leblosen Formen er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.