Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 6 (August/September 1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 183 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6 183 Neurosen nicht zu befürchten. Gerade gegen diese Störungen bildet die Bewegung des Körpers, die damit verbundene Uebung der Selbstzucht und Selbstbeherrschung ein wertvolles Gegengewicht. Sie werden schwinden, wenn ihre Ursachen beseitigt sein werden. Ob nun neben den reaktiven Erkrankungen nicht auch eine besondere Disposition zu affektiven Geistesstörungen bei den Juden vorhanden ist, können wir zurzeit noch nicht entscheiden, weil das statistische Material unzulänglich ist. Aber angenommen, es verhielte sich so, eine Zunahme der Degeneration ist deshalb nicht zu erwarten; denn die endogenen Geisteskrankheiten waren von jeher in einem bestimmten Verhältnis vorhanden. Bedrohlich ist nur, wenn eine Inzucht innerhalb geisteskranker Geschlechter stattfindet, weil dadurch eine Summierung der krankhaften Keime bewirkt wird!. Wollte man nun aus diesem Grunde die Inzucht schlechthin ablehnen, so würde man weit über das Ziel hinausschießen, weil doch gerade durch sie die Züchtung höherer Anlagen erleichtert wird. Der Ueberblick über alle Faktoren, die geeignet sind, die Rasse zu gefährden, zeigte uns, daß die Befürchtung des nahen Unterganges der Kulturvölker, besonders der Juden, nicht so gerechtfertigt ist, als es scheint. Wir haben schon früher die Bedeutung der Körperübungen für die Ausmerzung der exogenen Schädigungen hervorgehoben. Es sind alt bekannte Dinge, Turnen und Sport sollen einen Ausgleich gegenüber der jüdischen Geistigkeit herbeiführen. Sicherlich kann hier noch immer nicht genug geschehen. Turnen und Sport sind allerdings Surrogate für Bewegungsübungen im Beruf. Es wäre wertvoller für die Erholung und Stählung des Nervensystems, wenn "Jan sich der Arbeit in der Land- und Gartenwirtschaft widmete. Daß das nicht unmöglich ist, zeigen uns amerikanische Studenten, die in den Ferien •n der Landwirtschaft tätig sind. Hier wäre zweckvolle, planmäßige Betätigung, nichts von Ueberlastung und Unrast. Neben dieses Postulat ist zum Schluß noch ein zweites zu stellen, das den Kern der Entartungsfrage berührt. Alle Schädigungen, die in Betracht kommen, wie die körperliche Entartung, die vermehrten exogenen Geisteskrankheiten, die Keimschädigung durch Alkohol und Syphilis, die zahlreichen endogenen Geisteskrankheiten bedrohen die jüdische Rasse nur unerheblich, eher ein Moment ist von verhängnisvoller Bedeutung: mit der Zunahme des sozialen Wohlstandes, des günstigen Milieus, verknüpft sich erfahrungsgemäß eine starke Abnahme der Fruchtbarkeit. Wie weit diese gewollt oder ungewollt ist, soll dabei unbeachtet bleiben, weil hier alles zurzeit nur vage Vermutung ist. Die Verringerung der Geburten trägt den Keim der Zerstörung in sich. Bei den Westjuden ist die Abnahme der Geburten schnell vor sich gegangen und auch bei den Ostjuden wird sie bereits konstatiert. Man täuscht sich, wenn man, wie Ruppin es tut, in der geringeren Sterblichkeit ein teilweises Gegengewicht erblickt. Zunächst vergißt man, daß gerade die kulturell höchst stehenden Schichten an Geburtenzahl abnehmen, daß also nie differenzierten begabtesten Erbanlagen der Rasse verloren gehen. Selbst ^enn man voraussetzt, daß ein allmählicher Aufstieg aus sozialen niederen Schichten zu höheren den Verlust wieder ausgleicht, so darf man doch die Kräfte nicht gering veranschlagen, die notwendig sind, um begabtere, wertvollere Keimanlagen zu einer höheren Entwicklung zu bringen. Viele Geschlechter sind ja nötig, um den Höhepunkt einer Kultur zu erreichen. Wie- Vie* mehr Mühe macht es, wenn bei schnellem Absterben der sozial höchst stehenden Geschlechter jede neu empor strebende Schicht die Entwicklung "och einmal durchmachen muß. Darin liegt meines Erachtens die Hauptschwierigkeit des Problems. Zunahme der Geburten muß das Ziel jeder rationellen Rasseneugenik sein, in zweiter Reihe kommt erst die Vermeidung schlechter Keimbildungen in Frage.