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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 182

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 182 (sequence 16)
Language
German
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182 No. 6 umgekehrt durch Uebung oder Unterlassen der Uebung neue, sich weiter vererbende vollkommenere bezw. unvollkommenere Dispositionen geschaffen werden. Es erübrigt sich darauf einzugehen, daß durch Nichtübung Anlagen verkümmern können. Man glaube aber nicht, daß durch die Uebung eine Besserung des Rassekörpers erzielt wird; die Uebung bewirkt nur, daß das Maximum schon vorhandener, aber nicht manifester Anlagen entwickelt wird; Wenn beim geistigen Arbeiter z. B. die körperliche Entwickelung gegenüber der des Bauern zurückgeblieben ist, so ist das nicht eine Folge der Vererbung erworbener Eigenschaften, selbst wenn wir die Voraussetzung machen, daß die Vorfahren beider den gleichen Beruf gehabt haben. Meist verhält es sich so, daß der Kopfarbeiter, wenn er die nötige Uebung aufwendet, eine deutliche Steigerung seiner Körperkraft herbeiführt, ln der Vervollkommnung der vorhandenen unveränderlichen Erbanlagen liegt der Hauptwert der turnerischen und sportlichen Betätigung. Von jeher bestehende endogene Dispositionen kann die Uebung nicht beeinflussen. Wir erleben es oft, daß .kräftige hervorragende Turner äußeren Schädlichkeiten unterlegen sind, weil eben ihre minderwertige Disposition den Gefahren nicht gewachsen war. Mit der Anerkennung dieser Tatsache soll der Wert des Turnens nicht herabgesetzt werden, es soll nur eine klare Umgrenzung der Leistungsmöglichkeit gegeben werden, um vor etwaigen Enttäuschungen zu warnen. Der Zweck des Turnens ist die Entfaltung aller bereits latent vorhandenen körperlichen Kräfte; nichts weniger, aber auch nicht mehr. Zur Frage der Degeneration gehört auch das Problem der Zunahme der Geisteskrankheiten. Man geht vielfach von dem vulgären Satz aus: im gesunden Körper wohne ein gesunder Geist und betrachtet als selbstverständlich, was durchaus noch nicht so selbstverständlich ist. Wenn wir die Konstitution der großen Männer betrachten, so finden wir oft eine abnorm schwächliche Leiblichkeit. Wir erinnern an Mozart, Kant, Darwin, Ibsen u. a. Noch häufiger bestehen Abnormitäten geistiger Art neben hervorragender Begabung. Der Irrtum der gewöhnlichen Anschauung beruht darauf, daß man Schwächlichkeit des Organismus, der anatomischen Struktur mit Schwächlichkeit der vitalen ererbten Konstitution identifiziert hat. Gerade die Juden zeigen, daß neben einer schwächlichen Körperkraft oft eine starke zähe Vitalität vorhanden sein kann. Daß beide Momente sich nicht decken, ermöglicht uns, die Grenzen der Uebungsfähigkeit zu erkennen. Diese kann sich eben bei der Entwicklung der anatomischen Struktur mehr geltend machen. Natürlich wäre es ein Mißbrauch, daraus zu folgern, daß körperliche und geistige Tüchtigkeit nicht miteinander zu vereinigen sind. Was daran richtig ist, wird uns noch beschäftigen. Kehren wir zunächst zu dem Problem der nervösen Entartung zurück! Daß die Juden ein unverhältnismäßig großes Kontingent zu den Geisteskrankheiten stellen, ist nicht zu bestreiten. Aber wir müssen unterscheiden, ob es sich um schwere endogene oder um reaktive Zustände handelt. Unter den letzteren verstehen wir Vorgänge, die im wesentlichen die Reaktion auf äußere Schädigungen, wie Not, Sorge, Unstetigkeit der Arbeit bilden. Der Begriff des Endogenen dagegen repräsentiert die ererbte in der Keimsubstanz liegende krankhafte Anlage. Der be.- kannte Nervenarzt Oppenheim hat unter seinem großen russisch-jüdischen Material überwiegend Neurosen beobachtet, d. h. Zustände, die vor allem exogenen Momenten ihre Entstehung verdanken. Die ererbte Disposition besteht nur darin, daß bei den Juden schon an sich eine gesteigerte emotionell* Ausdrucksfähigkeit vorliegt Diese wird naturgemäß auch bei Erkrankungen manifest. Da überwiegend als Ursache äußere Schädlichkeiten in Betracht kommen, so ist eine Verschlechterung der Rasse durch die Häufigkeit der

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