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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 181

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 181 (sequence 15)
Language
German
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No. 6 181 macht mich nicht stark.“ Schallmeyer führt im einzelnen aus, daß die Unkunst des Milieus nicht zur Entartung der Rasse, sondern zur Hebung der Erbanlagen führe. Für die Juden des Ostens ist also, unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, das dortige Massenelend keine Bedrohung des Rasselebens. Ebensowenig wie infolge des Massenelends der Fabrikarbeiter eine Massenentartung aufgetreten ist. Gegen die Ueberschätzung des Milieufaktors spricht auch die Erfahrung, daß in Rußland die physiologische Leistungsfähigkeit bei weitem die anderer Kulturvölker übertrifft. Das brutale Hungern der Russen hat zur Rassenverschlechterung nicht geführt. In Rußland ist die Zahl der zum Militärdienst Tauglichen im Verhältnis stärker als z. B. in Deutschland. Man wird auch kaum annehmen, daß im Mittelalter eine Entartung bestanden hat, trotzdem die Wohnungs- und Ernährungsverhältnisse der unteren Klassen bedeutend ungünstiger als in der Jetztzeit waren. Wenn man sich also auch Vor einer Ueberschätzung des Milieufaktors hüten muß, so wäre es doch verkehrt, ihn zu vernachlässigen. Auch das, was man unter Keimschädigung versteht, ist zum Begriff des Milieus im weiteren Sinne gehörig, wenn wir unter Milieu alle exogenen Momente zusammenfassen. Wir verstehen unter Keimschädigung die Tatsache, daß eine Erkrankung des Individuums dessen Fortpflanzungskeime durch irgend eine äußere Schädigung, besonders durch Syphilis und Alkohol, mitbetroffen hat. Dadurch kommt es zu einer Verschlechterung der Rasse. Mag auch der Rassekörper nicht zur Entartung kommen, in dem Sinne, daß die Erbanlage vernichtet wird, so wird doch eine Dezimierung und Vernichtung wertvoller Elemente durch die Keimschädigung herbeigeführt. Ihre Bedeutung als Rassezerstörer bleibt bestehen, auch wenn man eine Vererbung erworbener Eigenschaften nicht annimmt. Das Milieu hat die Erbsubstanz geschädigt, aber eben diese Schädigung zerstört das Individuum und kann so den Rassekörper nicht zur Entartung bringen. Diese Anschauung ist heute noch nicht allgemein giltig, aber sie dürfte den realen Verhältnissen am meisten gerecht werden. Wir beobachten, daß Individuen, deren Erzeuger syphilitisch oder alkoholistisch erkrankt waren, lebensuntüchtiger sind. Es Ist bekannt, daß die Fehl- und Totgeburten bei Syphiliskranken sehr häufig sind, daß oft eine vermehrte Kindersterblichkeit besteht. Das gleiche trifft auch für Alkoholisten zu. Neben der Minderwertigkeit der Nachkommenschaft ist auch die Zahl der Geburten bei Keimvergiftungen verringert. So kommt es, daß diese Schädigung schließlich ausgemerzt wird. Für die Jüdische Rasse ist das Moment der Rasseverschlechterung erst in jüngster Zeit von Bedeutung. Es ist zweifellos, daß beiden Faktoren hei den Westiuden der Großstadt einige Bedeutung beizumessen ist. Die Gehirnerweichung, deren eine unentbehrliche Voraussetzung die Syphilis bildet, ist bei äen Juden jetzt durchaus nicht so selten wie früher. Auch bezüglich des Alkoholismus beobachtet man zuweilen eine recht unerwünschte Anpassung an die Umgebung. Die Trinksitten der Akademiker, die in nichtjüdischen Kreisen zu schwinden beginnen, sind selbst von nicht assimilatorisch gesinnten jüdischen Kreisen in übertriebener Weise aufgenommen worden. Wenn auch zurzeit noch keine praktische Konsequenz aus dem letzteren Moment erwachsen ist, so verdient es doch, berücksichtigt zu werden. Neben dem Milieu ist die Uebung für die Frage der Re- und Degeneration von einer Rasse von Bedeutung. Die Uebung wird uns erleichtert durch die Vererbung bestirnter Dispositionen. Die Disposition zum Öehen >at z. B. vererbt; durch fortgesetzte aktive Weckung, d. h. eben Uebung, dieser Dispositionen lernt das Kind gehen. Das einfache Beispiel zeigt die Verwandtschaft beider Tatsachen. Praktisch haben wir uns zu fragen, ob bei fehlender Uebung die vererbten Dispositionen verkümmern können, und ob

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