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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 179

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 179 (sequence 13)
Language
German
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No. 6 179 jüdischen Lebens preisen, dem Westjudentum einen Anschluß an den Osten predigen und eine Priorität des Jargon vor dem Hebräischen behaupten; ganz abgesehen davon, daß solche Bestrebungen ihre Absurdität in sich tragen und ihre Früchte höchstens ästhetische Spielereien mit den Werken der Jargonpoesie sind (siehe z. B. die Zeitschrift „Freistatt“), glauben wir auch, daß in einer solchen „Bejahung“ der Gegenwart ein hemmendes Moment liegt; wir verneinen den krankhaften Zustand des Judentums, im Westen und im Osten, und aus dieser Verneinung ergibt sich uns die Notwendigkeit unserer Tat, wie in das Vacuum die Luft drängt. Aus der Not, die uns erschüttert, machen wir uns auf, ein neues Leben zu bauen. Als vor 24 Jahren Achad Haam in Odessa eine Anzahl junger Leute um sich sammelte, um eine Kerntruppe der nationalen Bewegung zu schaffen, da stellte er in seiner ersten Publikation, dem Artikel „Lo seh haderechl“, „Nicht dies ist der Weg!“, und dann in der Programmschrift des neuen Vereins „Derech. hachajim“ — „Der Weg des Lebens“ (veröffentlicht in der Dokumentensammlung „Nissajon schelo hizliach“ in „Al peraschat derakhim“ IV. Bd. 1913) den planlosen Bestrebungen der Nationalisten zum ersten Mal die Forderung entgegen, die seitdem nicht wieder vergessen werden konnte und sich immer mehr durchgesetzt hat: Das erste, was als nationale Aufgabe erscheint, ist die „Wiederbelebung der Herzen“; das Volk muß aus dem Sumpf gezogen werden, muß erst wieder wollen lernen und stark werden, bevor es zu einer großen Tat der Selbstbefreiung fähig wird. Der einzelne muß seinen Egoismus ablegen und muß lernen, Opfer für die gemeinsame große Sache zu bringen. Aber dem Leistenden selbst erscheint seine Tat nicht als Opfer; vielmehr ist in ihm die Macht des Irrationalen, die bewegende Kraft des Nationalismus so stark, daß ihm diese Opfer eine persönliche Genugtuung und eine Freude sind wie Opfer auf dem Altar eines Gottes. Der Kern des nationalen Problems ist das Erziehungsproblem. Es wird alles davon abhängen, welche Menschen die Träger unserer nationalen Zukunft sein werden. Der stärkste Feind, der zu überwinden ist, ist die T r ä g h e i t. Gegen sie erhebt der jüdische Nationalismus sein Panier der Tat. Kein Rasten und keine Bequemlichkeit gibt es mehr; wer sich zu nationalem Tun bejaht hat, dem ist frohe Wanderschaft bereitet. Der Weg mag steinig und hügelig sein; aber im Herzen wohnt der lebendige Mut, der jubelnde Wanderlieder zu Gott und in die Welt erschmettern läßt. Die mit ihm ziehen, die sind seine engverbundenen Weggenossen, er weiß sich in ihrer Gemeinschaft und ist nicht allein. Er lächelt der Feigen, die nur Sicherheit suchen und zufrieden sind und vor Langeweile vergehen müssen; er erfährt den Sinn seines bewegten Lebens, das er zu schmieden auszog. Und „der Wagenden Gott ist ihm allzeit nah“, wie Bubers „Daniel“ sagt. Jeder einzelne nehme seine ganze Kraft zusammen; der Glaube an die Richtigkeit unseres Weges macht uns stark und freudig. Wir haben viel zu wagen, aber alles zu gewinnen. Ueber die jüdische Degeneration. Nervenarzt Dr. Arnold K u t z i n s k i - Berlin. Bezüglich der Frage der Entartung tauchen die verschiedensten Ansichten auf; alles ist richtig, alles ist falsch, nichts ist sicher. Im Folgenden sollen einige bedeutsame Momente herausgegriffen werden. Von Rassebesserung oder Verschlechterung kann man nur in dem Sinne reden, daß ge-

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