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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 175

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 175 (sequence 9)
Language
German
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No. 6 175 beschäftigten, wußten, daß die Juden von jeher die verwegensten Reiter, die erstaunlichsten Zirkusgymnastiker, die triumphierendsten Boxer geliefert hatten. Aber die jüdische Menge wußte nicht, welche Möglichkeiten sie in sich barg. Wir waren sehr ruhig über ihre Fähigkeiten. Es war nur nötig, daß sie selbst sie entdeckte. Das ist nunmehr geschehen. Der junge Jude weiß schon, daß er von sich alles fordern darf, was anderen gelingt. Mit den Erfolgen werden seine Leistungen wachsen. Er wird unsere Erwartung erfüllen, daß er ein Wahrer seiner eigenen Ehre und der Ehre des jüdischen Volkes sein wird. Ueber das Wesen des jüdischen Nationalismus. Von Robert W e 11 s c h (Prag). Ueber all der Hast des Lebens, über all den Beschäftigungen des Alltags, über aller „Politik“ und aller organisatorischer Kleinarbeit tut es uns aot, daß wir uns einmal auf den tiefsten, den wirklichen Sinn unserer nationalen Bestrebungen besinnen, daß wir uns das Große, das sie unserem Leben geben, bewußt machen. Jeder junge Mensch, der in den Strom unserer nationalen Bewegung gerissen wurde, braucht solche Stunden des Innehaltens, wo er sich die Frage vorlegt: Was ist jüdischer Nationalismus? — Das eine ist gewiß: daß dieser Nationalismus nicht gleich ist dem Nationalismus der Deutschen oder der Italiener oder der Bulgaren; und wenn wir das zugeben, so sollten wir uns etwa noch entschuldigen, daß wir für so verschiedene Dinge dasselbe Wort verwenden, aber wir leiden um des uns sehr w°hi passenden Ausdrucks willen diese Aequivokation. Wir haben ja überhaupt kein Interesse daran, Begriffe zu klären; wir wollen die Richtung unseres Lebensweges erkennen. Die Frage: Was ist jüdischer Nationalismus? 7ist für uns keine theoretische; sie ist gleichbedeutend mit der Frage: Was •st der Sinn unseres Lebens? — Wir sagten schon, der Nationalismus des Juden ist anderer Art als der des Deutschen. Wollen wir nur den augenfälligsten Unterschied zwischen den beiden herausgreifen, so ist es die Tatsache, daß der Jude zu seiner nationalen Gemeinschaft ein anderes Verhältnis hat: ihm ist die Gemeinschaft seines Volkes nicht natürlich und unbezweifelbar Gegebenes, er muß sie erst finden, und er muß sich diesen Besitz, stets neu kämpfend, in Stunden des Zweifels, in Stunden der Gedrücktheit und des Ueberschwanges stets neu gewinnen. Aber die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft kann nicht durch bloße Namensbezeichnung mitgeteilt, nicht durch Annahme irgend einer äußeren Marke bewirkt werden, sondern sie wird erobert und gewonnen im Feuer eines aufwühlenden Erlebnisses, das den ganzen Menschen zu wandeln vermag; gleich den Erlebnissen, die dem Menschen vielleicht nur einmal im Leben werden und seine Kraft elementar ins Ungemessene zu steigern vermögen, eine Offenbarung, ein großes Leid oder eine große Liebe. Der junge Jude in einem westeuropäischen Staat, von dem allein hier die Rede ist, also etwa in Deutschland oder Westösterreich, iindet sich, soer aus dem Traum seiner Kindheit zur erkennenden und wägenden Reife erwacht, in einer unendlich komplizierten .Lebenssituation. Und wer das Bedürfnis einer Auseinandersetzung mit den Elementen seiner Umwelt,

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