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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 174

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 174 (sequence 8)
Language
German
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174 No. 6 gültigen Beweis der gründlichen Minderwertigkeit seines Volkes an. Dem allen setzt der Jude sich selbst und sein Volk aus, wenn er nicht die Strammheit und Geschmeidigkeit zeigt, die das an Soldatendrill und Sportwirkung gewöhnte Europäerauge von einer Manneserscheinung erwartet, soll sie nicht physisch, ästhetisch und moralisch widerwärtig wirken. Aber das Turnen, das aus scheuen Juden selbstvertrauende und zuversichtliche, aus schleichenden fdst auftretende machen soll, muß in jüdischen Vereinen geübt werden. .Nicht etwa nur wegen des offenen Antisemitismus, der zwar nicht in allen, aber doch in sehr vielen allgemeinen Turnvereinen herrscht und dem eintretenden Juden, falls er nämlich überhaupt aufgenommen wird, die schlimmsten Demütigungen ~ zufügt,~ sondern auch aus einem anderen, subtileren Grunde. Wo der Jude sich allein oder als winzige Minderheit einer ungeheuren Mehrheit Nichtjuden gegenübersieht, da fühlt er sich wenig angeregt, sein Judentum hervorzukehren. Er bemüht sich vielmehr, es möglichst im Hintergrund zu halten. Er verheimlicht es vielleicht nicht geradezu, aber er wünscht nicht, daß es auffällt. So gewöhnt er sich an die Nichtjudenmaske und erwirbt Fertigkeit in ängstlicher Mimicry. Der Turnverein, statt ihn zum charaktervollen Bekenner zu erziehen, wird sein Erzieher zur Assimilation. Es liegt auf der Hand, daß der jüdische Turnverein die genau entgegengesetzte Wirkung auf seine Mitglieder übt. Dazu kommt ein zweites. Der Jude ist empfindlich; er ist es in seiner doppelten Eigenschaft eines Nervenmenschen und eines Verfolgten und Verleumdeten. Er weiß, daß die Nichtjuden ihn ohne Wohlwollen betrachten und immer geneigt sind, ihn zu verhöhnen, wenn sie an ihm irgend eine Unvollkommenheit beobachten. Der junge Jude, der in einen allgemeinen Turnverein eintritt, schämt sich als Anfänger seiner Unbeholfenheit, was seine Fortschritte ernstlich hemmt. Gar mancher wird von der Vorstellung, antisemitischen Zuschauern zu Spott Anlaß zu geben, überhaupt abgehalten, es mit dem Turnen zu versuchen. Bei einem jüdischen Turnverein fallen alle diese Bedenken weg. Hier weiß der junge Jude sich von freundlichen Gesinnungen umgeben. Er weiß, daß man seihe Unzulänglichkeit nachsichtig beurteilt. Er fürchtet nicht, ungeschickt zu beginnen. Er tut immer sein Bestes und kommt daher weit rascher und ohne Unlustgefühle voran, deren Ueb.erwindung den besten Teil seiner Energie in Anspruch nehmen würde. Eigentlich ist es überflüssig, all das jetzt noch zu sagen. Ich renne offene Türen ein. Die Sache der jüdischen Turnerei ist gewonnen. Sie verbreitet sich unter der jüdischen Jugend aller Länder. Ihr erzieherischer Wert für den Charakter ist allgemein anerkannt. Man hat überall eingesehen, daß sie die Seelen in demselben Maße gerade richtet, wie sie die Leiber stählt. Das Geschlecht der jungjüdischen Turner hat Selbstachtung gelernt und flößt deshalb auch anderen Achtung ein. Daß die jüdischen Turner den Vergleich mit allen anderen ausbalten können, wundert mich nicht. Wir, die wir uns mit der Frage

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