Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-08-01 · 6 (August/September 1913) · p. Seite 173

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
6 (August/September 1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 173 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/6492379-5965024-5965360--206-4922392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 6 173 zum Trotz in zähem Turnergeist den Grundstein unserer heutigen Erfolge gelegt. Eines Mandelstamm, der uns zu früh gestorben, eines Max Nordau, der unser Turnvater geworden. Eines unvergeßlichen Georg Arndt, der bis zu seinem jähen Tode nur unseren Idealen gelebt, der Zirker, Scholem, Jalowicz.die unermüdlich für uns gearbeitet haben. Wie sie ist ieder Einzelne von uns erfüllt von dem einen Streben: unserem Volke durch eine starke, aufrechte Jugend eine freie, würdige Zukunft zu schaffen. Wir dürfen ohne Eitelkeit zufrieden sein mit unserem Erfolge. Nicht, als ob wir am Ende unserer Arbeit wären. Aber die Resultate unserer ersten zehn Jahre geben uns die Gewißheit, daß wir auf dem rechten Wege sind, daß uns die Zukunft gehört. Und diese Ueberzeugung gibt uns die innere Berechtigung, das zehnjährige Bestehen der Jüdischen Turnerschaft froh zu feiern. Henry Unna. Jüdische Turner. Von Dr. Max Nordau - Paris.;, Als ich für die Verbreitung des Turnens unter der jüdischen Jugend eintrat, da beging ich nicht die Lächerlichkeit, den Nutzen der methodischen Stärkung des Leibes und der Erlangung körperlicher Gewandheit zu predigen. Das war nicht nötig. 'Die Vorteile des Turnens brauchte man unserer Jugend nicht erst in wohlgegliederter und beredter Beweisführung darzulegen. Sie war von ihnen überzeugt. Wofür man sie gewinnen mußte, das war nicht das Turnen an sich; es war das jüdische Turnen. Unserer Jugend mußte gezeigt werden, erstens daß das Turnen bei den jungen Juden eine besondere Erzieheraufgabe zu erfüllen hat, zweitens daß es, um sie erfüllen zu können, in eigenen jüdischen Turnvereinen geübt werden muß. Die besondere Aufgabe des Turnens bei der jüdischen Jugend •st eine sittliche. Es soll nicht nur die Muskel, es soll auch den Charakter stärken. Es soll nicht nur Athleten, sondern auch stolze, aufrechte, selbstbewußte Männer bilden. Wir haben nötig, stark zu sein. Wir haben noch nötiger, den Kopf hoch zu tragen, Jedem gerade in die Augen zu sehen, in unserer Haltung, in jeder unserer Bewegungen erkennen zu lassen, daß wir Mannhaftigkeit, Würde, und Selbstachtung. besitzen und sie gegen jedermann behaupten. Tausendjährige Verfolgung hat unsere Qestalt gebeugt, die Freiheit sie noch nicht überall geradegereckt. Unsere Freiheit! Der Jude spricht das Wort mit einem bittern Lächeln aus. Sie ist nirgendwo echt und vierschrötig genug, um orthopädisch wirken zu können. Der Welt ist |mmer noch die Qhettogestalt des geduckten Jüdchens geläufig, die ihren Hohn und ihre Verachtung erregt. Wir müssen uns aus der Karikatur herausarbeiten und uns zur ernsten Bildhaftigkeit erheben. Dazu soll uns das Turnen helfen. Der Nichtjude darf sich gestatten, schlapp und linkisch zu sein, Man dreht ihm aus dieser Unvollkommenheit keinen Strick. Man zieht aus ihr keinen Schluß auf sein geistig-sittliches Wesen. Man spricht sie nicht mit gehässiger Verallgemeinerung als einen voll*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.