Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 5 (Juni/Juli 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 159 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 159 •st so oft und so gründlich dargelegt worden, daß es mir widerstrebt, oft Gesagtes hier zu wiederholen. Um es kurz zu sagen: Wir Nationaljuden meinen, daß auf dem Boden eines jeden Staates verschiedene Stämme ihre nationale Eigenart pflegen können, ohne daß man ihren Willen, nach besten Kräften für das Wohl dieses Staates zu sorgen, bezweifeln darf. Deutschlands freiste Geister protestieren gegen die Unterdrückung der kleinen Nationalitäten, die auf deutschem Boden ihre Eigenart bewahren wollen, und dabei schließt deren Existenz häufig eine Bedrohung des Staatsgedankens in sich. Um wieviel weniger ist man berechtigt, da, wo die Möglichkeit einer derartigen Interessenkollision gar nicht besteht, wie bei dem Bekenntnis zum nationalen Judentum, die Träger dieser Gesinnung auch nur indirekt des Mangels an Patriotismus zu beschuldigen! Unser Nationaljudentum bringt uns weder zur deutschen Kultur noch den großen Ideen der Menschheitsgesittung in einen Gegensatz. Wir kehren nicht ins Ghetto zurück, wie unsere Gegner sagen. Unsere Seele soll Raum gewähren für alles Große und Edle, was die Zeit bewegt. Unser Programm ist nicht Separation, sondern Differenzierung, nicht (Jegensätzlichkeit, sondern Eigenart. Herrscht diese Klarheit zwischen uns und den anderen, den Nichtjuden, dann können wir uns gegenseitig achten und besser verstehen als bei dem Versteckspiel, wie es heute ehebt wird. Aus anderen Kulturen müssen wir das Wertvolle zu gewinnen und damit unsere eigene nationale Kultur zu bereichern suchen, wie es die uaen der alexandrinischen Epoche getan haben. Der Nationaljude, der sich haf6n Wendige Kultur der Gegenwart chauvinistisch abschließen würde, ätte den Sinn unseres Strebens nicht verstanden. Sicherlich kann national-jüdische Gesinnung nicht alle Unrast, alle omlikte aus unserer Seele bannen, denn ein völlig ausgeglichenes jüdisches, asem wird wohl nur in Palästina möglich sein. Aber die erlösende, ,e‘feiendeKraft dieser Gesinnung haben wir alle an uns selbst erfahren, ®'.e uns Ruhe und Sicherheit gegeben. Wer in seiner Seele den tragischen Kampf unseres Volkes gegen seinen Untergang miterlebt hat, der stell1 niC^ res'8niert den nationalen Selbstmord als Programm aufen> den hebt die Größe der Idee über die kleinlichen Alltaginterssen por und macht ihn zu einem Streiter für die Zukunft seines Volkes, — des ewigen Volkes! Unsere Palästinaturnfahrt. Von Siegfried Rosen bäum-Königsberg. (Fortsetzung.,* sam ^ach ^isc*10n 'c Zion kamen wir am Purimfeste. Erwartungsvoll veijUd-sich Alt und Jung des Dorfes in der Synagoge, die, wie in jeder he 1SCKolonie, vom höchsten Hügel aus die ganze jüdische Kolonie be- Estb^"* Keiner besann sich, je in so froh gestimmter Gemeinde die Megilla tro 6r Kell°rt zu haben. Doch wir sollten um einen Teil des Programms be- § gen Werden. Mit Rücksicht auf die „hohen Gäste“ war das Schießen i n der bei ^?°ge verboten worden, und lediglich von außen her ertönte jedesmal ju *a,naus Namen hallendes Freudenschießen. Und wie uns dann die jyj . nd ~~ sichtlich enttäuscht — berichtete, sei es dieses Jahr zum ersten e °hne zerschossene Fensterscheiben abgegangen. *) Vergl. Heft IV.