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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-06-01 · 5 (Juni/Juli 1913) · p. Seite 158

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
5 (Juni/Juli 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 158 (sequence 24)
Language
German
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158 No. 5 kraftloses Gedenken, doppelt niederdruckend angesichts der Gegenwart! Es ändert nichts an dieser Auffassung der Dinge, wenn einer der bedeutendsten Führer des Zentral-Vereins, sicherlich aus ehrlichster Ueberzeugung heraus, verkündet hat, daß man im Zentral-Verein, der als reiner Abwehr-Verein begonnen habe, immer mehr bestrebt sei, eine Renaissance, eine Verinnerlichung des Judentums herbeizuführen. Welchen Inhalt sollte ein solches Wort in diesem Kreise haben, angesichts seiner Feindseligkeit gegen diejeinge Bewegung, der eine Wiedererweckung alles jüdischen Lebens zu verdanken ist! Der Zentral-Verein ist zu seiner Stellungnahme gegen uns nicht auf Grund einer geschlossenen jüdischen Weltanschauung gelangt, sein Beschluß ist nicht von inneren jüdischen Notwendigkeiten diktiert, sondern von der schwächlichen Besorgnis vor Folgerungen, die der Antisemitismus aus unserem national-jüdischen Bekenntnis zu unseren Ungunsten ziehen könnte. Wir wissen, daß wir den unbelehrbaren Antisemiten weder durch Nationaljudentum noch durch laut betonten Patriotismus zur judenfreundlichen Gesinnung bekehren werden. Auch der uns wohlwollende Teil der deutschen Nichtjuden empfindet und fühlt unsere Art nicht als eine konfessionelle, sondern als eine nationalkulturelle. Da, wo selbst eine völlige Verschmelzung mit den Juden gewünscht wird, wird die jüdische Religion als nationale Schranke empfunden. Es sei nur an Professor Köhlers- Wort erinnert, daß die Vereinigung in der Synagoge nicht nur ein religiöses, sondern auch ein stark nationales Element in sich faßt, und daß der Uebertritt die Bedingung vollständiger Assimilation sei. Wenn schon ein wohlwollender Nichtjude in unsererReligion ein Hemmnis der völligen Verschmelzung erblickt, wohin sollten wir kommen, wenn wir uns in unserer Auffassung vom Judentum durch das bestimmen ließen, was die Antisemiten sagen. Wir würden dann ein Judentum von Antisemitismus Gnaden haben. Wenn wir vor Herrn Fritsch rein dastehen wollen, dann nützt uns keine noch so ehrlich empfundene deutsch-nationale Gesinnung, dann hinweg mit dem Talmud, dem Schulchan-druch, dem Kolnidrei, dem Schächten; wenn wir Herrn Chamberlein zufriedenstellen wollen, dann müßten wir uns unserer ganzen Religion, die nach der Auffassung dieses Herren nur platter Materialismus ist, entledigen. Aus der Tatsache, daß die Antisemiten aus unserem jüdischen Nationalismus Kapital schlagen könnten, folgt nichts für oder wider die Berechtigung unserer Bestrebungen. Wir sind jüdischnational und müssen es sein, weil Wahrheit und Ehre es uns gebieten. Wir sind es auch, weil wir eine Scheidung von West- und O s t j u d er* nicht wollen, weil wir uns als Söhne eines Stammes, eines Volkes fühlen. „Wir wollen die deutsche Judenfrage nicht international lösen“ heißt es in der Resolution des Zentral-Vereins. Wenn das bedeuten sollte, „die Aufwärtsbewegung der Juden muß in ihren Methoden dem jeweiligen Charakter des Landes anpaßt werden,“ wir hätten nichts dagegen einzuwenden. Hier abe> soll mit rücksichtslosem Egoismus eine Grenzmauer zwischen Angehörigen desselben Stammes aufgerichtet werden. Den rechtlosen Parias jenseits der russischen Grenzpfähle soll bedeutet werden, daß sie nicht als Mit' Streiter, sondern höchstens als Objekte westlicher Wohltätig" k e i t in Betracht kommen. Eine sonderbare „Verinnerlichung des Judentums“, welche die Solidarität der Träger des Judentums aufheben will, eine Kurzsichtigkeit, dm nicht sieht, welche Wechselbeziehungen zwischen dem Schicksal der Juden in den verschiedenen Ländern besteht! Daß das Bekenntnis zum Nationaljudentum uns nicht in einen Gegensatz zu deutsch-vaterländischen Pflichten, zur deutschen Kultur bringt, das

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