Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 5 (Juni/Juli 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 157 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 157 Auflösung seines Volkstums propagiert, ein aufrichtiger Freund der jüdischen Sache sei als derjenige, der dem Judentum eine nationale Zukunft erkämpfen wollte. Solche Anschauungen über das Nationaljudentum durften innerhalb des Zentral-Vereins immer rücksichtsloser verkündet werden. Kein Wunder, wenn eine friedliche und freudige Mitarbeit der Nationaljuden nahezu unmöglich gemacht wurde. Immer deutlicher bildete sich in den letzten Jahren im Zentral - Verein eine Kampfstimmung gegen uns Nationaliuden heraus. Die Resolution der General - Versammlung ist nur das letzte Glied einer Entwicklung, die den Verein vom Boden der Neutralität abgedrüngt und zu einem Werkzeug derjenigen Richtung gemacht hat, die einer Auflösung des Judentums zustrebt. Die Existenzberechtigung dieser Organisation lag darin, daß eine bestimmte Auffassung des Judentums den Mitgliedern nicht vorgeschrieben war. Mit dem Augenblick, wo diese Voraussetzung fiel, hatte der Zentral-Verein das Recht verwirkt, im Namen der deutschen Juden Gleichberechtigung zu fordern, mit dem Augenblick, wo er deutsch-nationale Gesinnung verlangte und jüdisch-nationale Gesinnung in seinen Reihen für unzulässig erklärte, hatte er seine zentrale Stellung aufgegeben und sich als die reitretug einer bestimmten Richtung innerhalb des deutschen Judentums, als einer bestimmten Partei im Judentum konstituiert. Der Beschluß des Zentral-Vereins schafft insofern eine klare Situation, als der prinzipielle Gegensatz zwischen positiv erhaltenden und negativ auflösen- ,en Kräften im deutschen Judentum schärfer herausgearbeitet wird und s>ch nun die Vertreter beider Richtungen in getrennten Lagern einander gesegeniiberstehen. Wir Nationaljuden können diese Entwicklung ohne Sentimentalität und ohne moralische Erörterung kühl betrachten. Wir haben der Idee des Rechtsschutzes unsere Mitarbeit nicht versagt, man hat sie uns mnerhalb des Zentral-Vereins unmöglich gemacht. Wenn diese Organisation in Zukunft der Sammelpunkt aller judentumslindlichen Politik bilden soll, so naben wir einfach den uns angebotenen Kampf im Interesse der Zukunft des jucischen Volkes anzunehmen. Dieser Kampf wird zunächst in einer Aufklärung der Massen der Putschen Juden zu bestehen haben, deren urwüchsiges jüdisches Empfinden .°n den Assimilationstendenzen führender Kreise des Zentral-Vereins noch . angekränkelt ist. Vielleicht wird uns entgegengehalten, daß die religiös gesinnten Mitglieder ein stark positives jüdisches Element innerhalb dieser fganisation darstellen, und daß wir daher kein Recht haben, von einer smulatcrisehen auflösenden Tendenz schlechthin zu sprechen. Darauf ist erwidern: Die religiöse Gesinnung dieser Einzelnen ist Privatsache, "tralvereinsjudentum ist als solches auch kein religiöses „ entlim> der theoretisch geforderte, verdienstvolle Kampf Dr. Goldmanns verth ^as Täufjudentum konnte ein praktisches Paktieren mit Täuflingen nicht Kamf fn' ^‘e Grganisation wird nur durch ein äußeres Moment, den _ pf Kegen den Antisemitismus und die staatsbürgerliche Zurücksetzung K arnmenKehalten, nicht durch positive innere jüdische Werte. Kre'0 man l,e*lauPten* daß durch eine erhöhte religiöse Propaganda weitere zuJ.s^ der deutschen Juden vom Zentral-Verein dem religiösen Judentum VQ^'gewonnen worden sind? Oder wo sonst ist dort ein Gedanke iiidk,[lc,^tunEKebender Kraft aufgetaucht, ein Ideal, das positive st ha 6 J•ben,srnöKlichkeiten verheißt, ein Panier, um das sich die Jugend er 'ßnn,e? Was nutzt der vielbetonte Stolz auf unsere Geschichte, wenn nei| J!* verheißungsvoll in die Zukunft weist und uns neues Leben und «■'Schichte erhoffen läßt! Was ist er dann anders als ein wehmütiges,