Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 5 (Juni/Juli 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 156 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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156 No. 5 reichts verbindet mit dem Deutschen gleiche Abstammung, ohne daß ein gemeinsames Nationalgefühl besteht“. In der Versammlung des Zentral-Vereins ist kein Versuch gemacht worden, diese Dinge aufzuklären und die Art des deutschen Nationalgefühls, das eine Richtung der Zionisten „leugnen“ soll, näher zu bestimmen. Es gibt sicherlich Nuancierungen im Zionismus, aber die hier vorgenommene Unterscheidung ist vollkommen willkürlich. Ginge es also nach rein logischen Gesichtspunkten, dann brauchte sich kein Zionist getroffen zu fühlen und aus dem Zentral-Verein auszutreten. Aber dem Vorgang wohnt eine tiefere Bedeutung inne. Der Kampf gilt in Wirklichkeit nicht einer angeblich extremen Gruppe, sondern dem starken nationalen Lebenswillen, wie er auch in unserer jungjiidischen Bewegung zum Ausdruck kommt. Die Bereitwilligkeit mit der angeblich gemäßigten Gruppe zusammenzuarbeiten, soll nur das Bestreben verdecken, einen Teil der zionistischen Kämpferschar in ein philanthropisches Fahrwasser hineinzuziehen und durch Verflachung und Zersplitterung der Bewegung dem nationaljüdischen Vorwärtsdringen die Stoßkraft zu nehmen. Mit der Resolution des Z.-V. ist der Kampf des deutschen Assimilantentums aus dem Bereich akademischer Diskussionen in das Stadium aktiver Abwehrpolitik eingetreten. Wie hat sich dieser Gegensatz zwischen Zentral-Verein und Nationaljudentum herausgebildet? Der ursprünliche Zweck dieser Organisation, d i e Wahrung der staatsbürgerlichen Rechte aller deutschen Juden ohne Unterschied der religiösen uriü politischen Richtung, stand mit der natiorialjüdischen Auffassung nicht in Widerspruch. Die Beteiligung an der Arbeit im Zentral-Verein konnte so für die Nationaljuden, die doch ein Interesse an der Erstarkung des Judentums in allen Ländern haben, einen wertvollen Faktor bedeuten. Man hat auch in Warklichkeit auf nationaljüdischer Seite die Notwendigkeit eines Rechtsschutzvereins der deutschen Juden anerkannt, und doch bildete sich mit den Jahren ein immer schärferer Gegensatz heraus. Im Zentral-Verein kannte man nicht eine Judentumsfrage, die Frage nach der Zukunft des Judentums, sondern nur eine Judenfrage, die nian mit der Antisemitenfrage identifizierte. Der Antisemitismus wurde nicht als das radikalste Ergebnis einer feindseligen Stimmung begriffen, die in Wirklichkeit weiteste Kreise des deutschen Volkes gegen uns Juden beherrschte, sondern als böswillige Hetzerei einer kleinen, isolierten Gruppe, die durch ihre Agitation und ihren Einfluß auf eine uns sonst wohlgesinnte Bevölkerung die Vorenthaltung unserer völligen Gleichberechtigung verschulde. Man sah nicht, daß der stille geräuschlose Judenhaß auf gesellschaftlichem Gebiet, in der Verwaltungspraxis, der Judenhaß der Maßgebenden die eigentliche Gefahr bildete, sondern man kehrte sich gegen den Lärm der Gasse, gegen einzelne bedauerliche, in ihren politischen Wirkungen aber belanglose Ausschreitungen des Radauantisemitismus. Mit der Bestrafung einzelner Schreier, in denen matt die Störenfriede der von den meisten gewünschten stillen Assimilation sah. glaubte man der Judenheit einen großen Dienst erwiesen zu haben. Und als nun gar das Nationaljudentum auf den Plan trat und die von den Antisemiten behauptete, von den Juden leider vielfach bestrittene ethische Verschiedenheit bestätigte, da warf inan den Nationaljuden Begünstigung des Antisemitismus vor und konnte oder wollte nicht verstehen, daß das Zugeständnis der Existenz unserer nationalen Eigenart nicht auch ein Zegeständnis der gehässigen Folgerungen ist, welche die Antisemiten an das Bestehen die Eigenart knüpfen. Die Identifizierung von Nationaljudentum und Antisemitismus baute sich auf der ungeheuerlichen Logik auf. daß der Assimilationsjude, der aus Furcht vor dem Antisemitismus die