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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-06-01 · 5 (Juni/Juli 1913) · p. Seite 155

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
5 (Juni/Juli 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 155 (sequence 21)
Language
German
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No. 5 155 dige umzu wandeln, die Bahn frei zu machen für die schöpferische Kraft uuseres Volkes. Bildet ein derartiges Streben, das aus den höchsten ethischen und Kulturellen Motiven hervorgegangen ist, ein Hindernis, die Träger dieses Strebens als eine vollwertige Gruppe deutscher Staatsbürger anzuerkennen, hindert es die übrigen Juden mit uns Nationaljuden gemeinsam den Kampf um die staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu führen? Der Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat die Frage bejaht. Es heißt in seiner Resolution: „Wir verlangen von unseren Mitgliedern nicht nur die Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten, sondern deutsche Gesinnung und Betätigung dieser Gesinnung im bürgerlichen Leben. Wir wollen die deutsche Judenfrage nicht international lösen. Auf dem Boden des deutschen Vaterlandes wollen wir als Deutsche an deutscher Kultur mitarbeiten und unserer durch Religion und Geschichte geheiligten Gemeinschaft treu bleiben. — Soweit der deutsche Zionist danach strebt, den entrechteten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen, oder den Stolz des Juden auf seine Geschichte und seine Religion zu heben, ist er uns als Mitglied willkommen. Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Nationalgefühl leugnet, sich als Gast im fremden Wirtsvolk und national nur als Jude fühlt, müssen wir uns trennen.“ „Deutsche Gesinnung“ und „deutsdhesNationalgefühl“ sind Begriffe, die wegen ihrer Vieldeutigkeit genauer definiert werden müßten, wenn sie die Basis zu einer so schwerwiegenden Entschließung abgeben sollten. Soll es ein deutsch-vaterländisches Gefühl sein? Dann wäre der Beschluß gegenstandslos, denn die Anhänglichkeit an das Vaterland hat der Zionismus stets betont. Oder soll es ein Gefühl sein, das uns heben die Deutsch-Nationalen Oesterreichs stellt? Eine Antwort oarauf erübrigt sich. Und noch andere Fragen erheben sich. Wie stellt sich der Zentral-Verein zu der nationalen Auffassung seiner sozialdemokratischen Mitglieder, und gedenkt er Miglieder auszuschließen, die z. B. wie im Elsaß gleich j*ef übrigen Bevölkerung zur französischen Kultur hinneigen oder in den östlichen Provinzen gelegentlich einem Polen ihre Stimme geben? Ebensowenig Wie eine Beantwortung dieser Frage auf Grund derZentral-Vereinsterminologie möglich ist, ebensowenig entspricht die nach den Gesichtspunkten der Resolution vorgenommene Sch ei düng der Zionisten in zwei Grup- Pen den wirklichen Tatsachen. Weder gibt es innerhalb der organisierten Zionisten eine Richtung von so ausgesprochen philanthropischer Tendenz, noch auf der anderen Seite eine auch nur spärliche Anzahl von Zionisten, die sich als „Gast im fremden Wirt vo 1 k“ fühlen. Der Qlaube n c*er jüdischen Nation und ihre Zukunft bildet die Grundlage alles Zionismus, Die Stellung zu dem, was wir „deutsches Nationalgefühl“ nennen, hängt von dem Inhalt ab, den wir in diese Formel hineinlegen.!var.y weist nach*), daß „deutsch-national zu den Wörtern gehört, in denen sich eine Fülle der verschiedensten Gedanken und Stimmungen zu einem fast unentwirrbaren Komplex zusammengefunden hat. Es kann bedeuten: »:staatsbewußtsein“, dann ist es ein politischer Begriff. Oder „Hei- *a t s g e f ü h 1“, wie es ein Deutscher in einer deutschen Siedelung in Amerika hat; oder „Stammestum", wie es die Deutschen Deutschlands jmt denen Oesterreichs und der Schweiz verbindet: oder Sprach- und Aulturgemeinschaft, denn den Holländer oder den Bretonen Frank- S. Jüdische Rundschau 1913, Nr. 16. De u t s ch -n a t i o n a 1 von Moses Calvary.

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