Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 5 (Juni/Juli 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 151 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 151 nämlich die Erhaltung der Z e r s t r e u u n g der Juden, damit wir das Prinzip des reinen Monotheismus unter den Völkern hochhalten. Diese Lehre von der Mission des Judentums ist theoretisch und praktisch unhaltbar. Solange die Juden auf dem Boden Palästinas ihr ureigenstes Wesen lebten, konnte ihre nationale Eigenart kulturschöpferisch wirken in der Schaffung religiöser Werte. Mit der Tatsache, daß die Hauptmomente des jüdisch-religiösen Denkens, der Monotheismus und die jüdisch-sittliche Auffassung, in den Besitzstand der Völker iibergegangen sind, ist die Mission des Judentums erschöpft. Man kann diese Mission als ein historisches Ergebnis betrachten; die zukünftige Mission eines Volkes läßt sich nicht wie ein Programm durch einen bestimmten Inhalt fixieren, weil wir die Entwicklungsmöglichkeiten nicht Voraussagen können. Aber besehen wir die Angelegenheit rein praktisch! Wo ist heute eine religiöse Erscheinung vorhanden, die sich mit der Begeisterung der hebräischen Propheten, mit der das ganze jüdische Volk im Altertum durchdringenden Fülle religiöser Innigkeit vergleichen ließe? Wo ist in der modernen Judenheit ein neuer religiöser Gedanke von kulturschöpferischer Bedeutung aufgetaucht? Bedeutet nicht der Weg vom Pro- Phetismus bis zur modernen Zeit einen Abstieg auf religiösem Gebiet? Und Wo sind die Bedingungen innerhalb der Judenheit zur Entwicklung eines neuen religiösen Lebens vorhanden? Wo haben wir auch nur den geringsten Praktischen Versuch gemacht, jüdische Mission zu treiben, d. h. Andersdenkende zu unserem Glauben zu bekehren? Und da, wo in nichtjüdischen Kreisen eine Läuterung der religiösen Auffassung sich vollzieht, da geschieht es ohne unser Zutun. Der Versuch, die Notwendigkeit der Zerstreuung der Juden mit einer religiösen Verpflichtung gegenüber der nichtlüdischen Menschheit zu begründen, entbehrt also jeder inneren Berechtigung. Zwei Gruppen von Gegnern der national-jüdischen Anschauung haben yir bisher kennen gelernt. Die einen glauben an ein Hineinwachsen in christlich-germanische Kultur, die anderen wünschen das Judentum in der Form der Konfession unter völliger Abstrei- *ung nationaler Besonderheiten erhalten zu sehen. Dazu gesellt sich e*ne dritte Richtung von Gegnern, die ich die utoplstische oder monistischkosmopolitische nennen möchte. Ihre Argumentation lautet folgendermaßen: Wir befinden uns in einer geschichtlichen Periode, welche alle Unterschiede in religiöser und nationaler Hinsicht mit Eilzugsgeschwindigkeit über den Haufen wirft. Die antikonfessionell gerichtete Bewegung der Geister, die auch den Monismus geschaffen, hat die Wurzel alles Re- •igiöse untergraben, die Existenz des Judentums unnötig und unhaltbar gem*cht und die Vorurteile beseitigt, die einer Verbindung zwischen den Angehörigen verschiedener Religionen und Nationen im Wege standen. Der Nationalismus der Gegenwart ist nur eine vorübergehende reactionäre Welle, welche die Entwicklung des Menschheltsgedankens nicht aufhalten kann. dem Verschwinden der nationalen und konfessionellen Gegensätze ist ®me Verschmelzung der Juden mit ihrer Umgebung angebahnt. Damit wird?as jüdische Elend aufhören, und Ahasver ist von seiner leidvollen Wanderahrt erlöst. Als Religion hat das Judentum seine Bedeutung verloren; die Existenz einer jüdischen Nation ist weder für das Glück des einzelnen jüischen Individuum, noch für die Kultur der Menschheit erforderlich. Was die Menschheit damit gewonnen, so sprechen diese Gegner zu uns, womöglich auf einem Fleckchen Erde des Orients ein neues Duodezoikchen. schaffet? Das Judentum stellt allen Völkern zahlreiche Männer, Jih" dem *emein*amen Fortschritt der Kultur arbeiten, und ihr wollt die aus ihrer kulturbeherrschenden Stellung in die Enge eines rücknritflfchen Nationalismus hineinpferchenl