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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-06-01 · 5 (Juni/Juli 1913) · p. Seite 150

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
5 (Juni/Juli 1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 150 (sequence 16)
Language
German
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150 No. 5 Diese Aussprache beschäftigte sich mit der Betätigung der deutschen Juden au; dem Gebiete der deutschen Literatur und Kunst. Auf diesem Gebiet, wo es sich ja um den Ausdruck unwägbarer, durch Blut und Tradition bestimmter Gefühlsregungen handelt, mußten die nationalen Gegensätze zu einer Aussprache hindrängen. In einem Aufsatz „Deutsch-jüdischer P a r n a ß“, dessen wuchtige und glänzende Diktion in allen Lagern da"S größte Aufsehen erregte, ging Dr. Moritz Goldstein mit bewunderungswürdiger Unerschrockenheit und Wahrheitsliebe an das Problem heran. Welche Empfindungen müssen die Seele des selbstbewußten aufrechten Juden erfüllen, wenn er die Situation betrachtet, die durch die Beteiligung deutscher Juden an der literarisch-künstlerischen Produktion in Deutschland geschaffen ist? Und er kommt zu dem Schluß, daß Mißtrauen und Haß der nichtjüdischen Umgebung gegen uns einen Zustand geschaffen haben, bei dem die Lebensbedingungen für höchstes künstlerisches Schaffen durch Juden fehlen, und daß der deutsche Jude nur aus seiner nationalen Eigenart heraus Volles für die deutsche Kultur leisten konnte. Goldsteins Aufsatz wirkte wie ein Alarmruf und rief Freund und Feind auf die Schanzen. Auf alle die interessanten Erwiderungen kann hier nicht eingegangen werden. Erwähnenswert sind aber die Ausführungen eines Gegners, Ernst Lissauers, weil er den Gedanken der Assimilation konsequent zu Ende gedacht und versucht hat, ihre Berechtigung und Notwendigkeit durch die geschichtliche Entwicklung zu beweisen. Die Juden besitzen zwar noch nationale Züge, aber sie sind auf dem geschichtlichen Wege, ihre Volkheit zu verdunsten. Allerdings hat Lissauer nur an die auflösenden Kräfte im Judentum gedacht, nicht an die äußeren Faktoren, die uns zusammendrängen, nicht an die vorwärts treibenden inneren jüdischen Impulse, an das, was Buber mit den Worten ausdrückt „Das Blut als tiefste Machtschicht der Seele“. Lissauer scheut auch vor der letzten Konsequenz seines Gedankenganges nicht zurück. Er sagt: „Da das religiöse Moment immer mehr für den deutschen Juden versinkt, so wird die innere Möglichkeit, zur Landeskirche überzutreten und auch äußerlich den Anschluß an die deutsche Kulturgemeinschaft zu vollziehen, immer größer: er kann jene Bedingungen viel leichter abstreifen, als es früher möglich war.“ Das heißt mit anderen Worten: Eine wirkliche Assimilation, ein Aufgehen der Juden ist nur möglich, wenn sie auch ihre religiöse Sonderart zu opfern bereit sind. Das ist freilich für gewisse Kreise eine unbequeme Feststellung, aber sie ist nötig, um die Fiktion zu zerstören, als vertrüge sich die konfessionelle Auffassung mit der assimilatorischen, als könnte eine Erhaltung und Förderung der jüdischen Religion auf der Basis der Assimilation stattfinden. Selbst ein noch so reformiertes Judentum enthält so stark nationale Einschläge, daß es ein Hindernis für eine wirkliche Assimilation bildet. Ein anderer Gegner Goldsteins, Prof. Julius Goldstein, sagt: „Die einzige Eigenart, die im weltgeschichtlichen Sinne wert ist, erhalten und nicht nur erhalten, sondern zu neuem Leben erweckt und gestärkt zu werden, ist die sittlich-religiöse Eigenart unseres Stammes. Um dieser willen kämpfen wir letzten Endes den Kampf um die Gleichberechtigung.“ Wir sehen hier, welche Unklarheit bezüglich der elementarsten Prinzipienfragen in der Judenheit herrscht. Wem soll z. B. der junge Jude, der sich zu einer jüdischen Lebensanschauung durchringen will, glauben, Herrn Lissauer, der in dem Verschwinden der religiösen Eigenart die Vorbedingung zur Assimilation erblickt oder Herrn Julius Goldstein, der in der Erhaltung der religiösen Eigenart die einzige Rechtfertigung unserer Existenz erblickt? Die Forderung Julius Goldsteins erinnert an das, was die moderne liberale Richtung als die „Mission“ des Judentums hinzustellen pflegt

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