Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 4 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 123 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 123 die Blätter der Ausbreitung der jüdischen Wanderbewegung gute Dienste leisten werden. Der Bruderverein in Wien will sich an der Herausgabe beteiligen. Die Redaktion untersteht Ref. Felix Rosenblüth. Köln. Wie uns mitgeteilt wird, hat in der am 5. d. M. stattgefundenen Repräsentantensitzung der liberale Repräsentant Gottschalk den Antrag eingebracht, dem Jüdischen Turnverein die bisherige Subvention von 300 M. jährlich zu entziehen, dafür die Subvention des Jugendvereins Gabriel-Riesser von 300 M. auf 700 M. jährlich zu erhöhen. Der Antrag wurde von der liberalen Mehrheit gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Man sieht, der Liberalismus ist auf dem Marsche! Die Kölner Turner werden die liebevolle Behandlung von seiten ihrer Repräsentanz hoffentlich mit verdoppeltem Eifer für die nationaljüdische Turnsache beantworten. Posen. Der Jüdische Turnverein Posen feierte am Sonnabend, den 3. April in den Räumen des Zoologischen Gartens unter zahlreicher Beteiligung aller Bevölkei ungskreise sein 10. Stiftungsfest. Mit vollem Recht konnte der Vorsitzende der Jüdischen Turnerschaft Herr Rechtsanwalt Greifenhagen, Berlin, auf die eminenten Fortschritte hinweisen, welche der Jubelverein gerade in den letzten Jahren gemacht hat und führte diese mit gutem Grunde auf die Zugehörigkeit desselben zur „Jüdischen Turnerschaft“ zurück. Nicht zufällig haben wir uns in den Vereinen der „Jüdischen Turnerschaft“ zusammengefunden, sondern in der bewußten Absicht, der lebendigen Fortentwickelung unserer Gemeinschaft zu dienen und so in historischer Kontinuität, anknüpfend an die große Vergangenheit des jüdischen Volkes, die neue Zukunft desselben erbauen zu helfen. Daß unsere Ziele nicht leicht zu erfüllen sind, wissen wir, deshalb ist die energische Arbeit eines jeden Einzelnen erforderlich, und wenn wir auch oft von kleinlichen Kritikern Träumer genannt werden, so ertragen wir dies mit ruhiger Gelassenheit, indem wir uns an das Wort des unvergeßlichen Herzl erinnern, der einmal gesagt hat, daß jede große Tat vorher ein Traum war und auch wieder zum Traum werde. Mit dem Appell, gerade in einer Zeit, wo Bestrebungen im Gange sind, die Einheit des deutschen Judentums zu zerstören, treu zur Fahne der „Jüdischen Turnerschaft“ zu halten, schloß der Redner seine begeisternden Ausführungen. Das Schauturnen, zu dem über 60 Turner und Turnerinnen antraten, erwies auch in qualitativer Beziehung die hohe Entwickelungsstufe, auf welcher sich der Verein zurzeit befindet, und brachte neben gut zusammengestellten Freiübungen ein einmaliges Riegenturnen, das gute Leistungen aufwies. Hieran schloß sich ein Kürturnen der ersten Frauen- und Männerfiege am Barren, das zum Teil hervorragende Leistungen zeigte. Die erste Männerriege hatte außerdem noch Gelegenheit, im Rahmen einer von dem nausdichter des Vereins flott geschriebenen Revue am hohen Reck zu turnen und gelang es ihnen, mit mustergültigen Hebungen einen hervorragenden Erfolg zu erzielen. Zwei Turner brachten als besondere Attraktion lebende Skulpturen, die ihren wunderbaren Körperbau und ihre hervorragend äusgebildete Muskulatur in sehr schönen und wirkungsvollen Naktgruppen zur Geltung brachten. Daß der Geselligkeit auf dem Feste ein breiter Raum gewährt wurde, bedarf bei den als gemütlich bekannten Festen des Jüdischen Turnvereins keine Erwähnung; ebenso daß eine Kaffeetafel mit obligaten Reden und Liedern viel zur Erhöhung der Gemütlichkeit beitrug. Am darauf folgenden Sonntagvormittag trafen sich die Gäste, der orstand und ein Teil der Mitglieder im Rathauskeller zum Frühschoppen. Am Nachmittag veranstaltete der Verein eine öffentliche Versammjmg, in welcher Herr Rechtsanwalt Greifenhagen die Ziele der „Jüdischen urnerschaft“ erörterte. An das Referat knüpfte sich eine lebhafte Debatte.