Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 4 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 117 rische Zeiträume geltend machen kann. Selbst wenn in diesen Zeiträumen gewisse Veränderungen stattgefunden haben, so. können diese doch nur so unerheblich sein, daß sie nicht die Einheitlichkeit des jüdischen Rassekomplexes in Frage stellen. Aber wenn auch wirklich das Milieu die äußere Konfiguration der Juden variiert haben sollte, so ist hier zu berücksichtigen, daß diesem Moment weit mehr Bedeutung beigemessen wird, als es verdient. Die Differenzen zwischen den einzelnen Rassekomplexen sind nicht so hochgradig, um irgendwie bindende Schlüsse zu erlauben. Das führt zu Trugschlüssen, denen nicht nur Fishberg, sondern auch viele andere anthropologische Forscher zum Opfer geiallen sind. Die anatomischen Merkmale sind viel zu grob, um zu Differenzierungen einzelner Rassetypen führen zu können. Und wer nicht voreingenommen ist, muß sich gestehen, daß die Resultate bisher negativ ausgefallen sind. Eine Klärung ist nur von histologischen, mikroskopischen Untersuchungsmethoden und vor allem von einer biologischen Betrachtungsweise zu erwarten. Man mag Fishberg zugeben, daß es zweifelhaft ist, ob die am meisten vermischten europäischen ethnischen Gruppen größere Verschiedenheiten der anatomischen Merkmale aufweisen als die •Juden. Aber was folgt daraus? Mag das soziale Milieu die physischen Veränderungen mit verursacht haben, aber diese sind nicht ausreichend, um die einzelnen Rassetypep als einheitliche Formen zu kennzeichnen. Ebenso wie die anatomischen Merkmale versucht Fishberg auch, die die physiologischen durch den Einfluß des Milieus zu erklären. Auch hier hißt er es an der nötigen Vorsicht bei der Bewertung der Tatsachen vermissen. Er versucht, durch Eigentümlichkeit der Erwerbszweige, der Lebensgewohnheiten und ganz besonders der Rassenkreuzung die physiologischen Besonderheiten zu erklären. Die schwierige Frage, ob die jüdische Rasse eine besonders intensive Lebensfähigkeit besitzt, glaubt er z. B., leichthin, durch den Hinweis auf die Fruchtbarkeitsabnahme der westeuropäischen •Juden erledigen zu können. Ebenso willkürlich erscheint der Schluß, daß die hohe Geburtenziffer der Juden in der Vergangenheit ihren Ursprung nicht >m Rassewesen gehabt haben könne. Die Akklimatisierungsfähigkeit der •Juden ist sicher keine objektiv bewiesene, aber ebensowenig sind die Tatsachen, die Fishberg anführt, geeignet, die besondere Anpassungsfähigkeit der Juden zu widerlegen. Auf physiologisch-pathologischem Gebiet wird die J-ösung der Frage bezüglich der spezifischen Charakteristika der jüdischen Rasse erfolgen müssen, aber diese Frage ist noch lange nicht spruchreif, und vor allem vermögen die von Fishberg angeführten Tatsachen nicht zu überzeugen. Auch die .Pathologischen Tatsachen sind zwar geschickt zusammengesetellt, aber *m einzelnen wird auch hier die nötige Kritik bei der Bewertung und Sichtung des Materials außer acht gelassen. Wie sehr Verfasser geneigt ist, Tatschen im Sinne seiner Theorie zu verschieben, zeigt seine Auffassung von der Disposition der Juden für ansteckende Krankheiten: Sie sind der Injektion weniger ausgesetzt, weil sie mehr als die anderen Völker VorsichtsdsBregeln anzuwenden pflegen. Aber hier zeigt sich gerade die Verschleier«ng des Problems durch Fishberg. Denn man fragt sofort: „Wie kommen s,e zu dieser gesteigerten Vorsicht?“ Doch nur auf Grund einer besonderen Anlage, die vielleicht im Psychischen, oder — körperlich gesprochen — in einer besonderen Disposition des Nervensystems ihre Ursache haben muß.