Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 4 (Mai 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4 115 aber nicht darinnen, was sie zu geben nicht imstande sind. Für den Snob, der nach zierlich gedrechselten Worten und Versen sucht, der starke Farben und Töne begehrt, ist hier nichts zu finden. Diese Lieder sind geschaffen worden von armen, blassen Juden, von tief und wahrhaftig gläubigen, aber in steter Not und stetem Schrecken lebenden Menschenkindern. Der jüdische Volksdichter scheint gefühlt zu haben, welche Kritik man an dem jüdischen Volksliede üben könnte, und es mutet wie eine Verteidigung an, wenn es i« einem Liede heißt: „Zi fiehlst (Fühlst du), main Fraind, wos is dos asejns, A Folk, a klains, un grejß (groß) der Faind? ... Ohn Waffen, ohn Mut, un hot nit kain Schutz, Un hefker (der Willkür preisgegeben) sain Guts un hefker sain Blut. .." In einem Punkt allerdings stimmen wir mit dem Volkspoeten nicht überein. Nein, den Mut hat der Jude noch nicht verloren. Zum stärksten Akkord im jüdischen Volkslied schließen sich zusammen die Motive des Qlaubens und der Hoffnung. ... Die Rassenmerkmale der Juden. Von Dr. med. Arnold K u t z i n s k i - Berlin. Es ist schwer, bei der Besprechung dieses Buches*) sachlich zu bleiben, nicht weil der Inhalt desselben soviel Unrichtiges enthielte, sondern weil es einer bestimmten vorgefaßten Meinung seine Entstehung verdankt. Es ist schon mißlich, wenn ein Kunstwerk unter dem Gesichtspunkte einer Tendenz zu betrachten ist, noch schlimmer aber steht es um ein wissenschaftliches Buch, welches von vornherein eine bestimmte Anschauung beweisen will. Es ist selbstverständlich ein leichtes, eine Reihe von Tatsachen aufzuhäufen, und dann aus diesen den schon bei der Entstehung des Buches klaren Zweck zu illustrieren. Dieses Verfahren kleidet sich dann gern in das Gewand der Statistik. Für die Wissenschaft, die gleichzeitig eine Erweiterung der Erkenntnis geben will, ist damit gar nichts geleistet. Man sollte von vornherein derartige Bücher nur als Materialsammlung betrachten und die Voreingenommenheit des Verfassers ignorieren. Bel dem Flshbergschen “uche berührt das Bestreben, eine bestirhmte Meinung zu vertreten, noch unsympathischer, weil er selbst bei der kritischen Besprechung der Literatur änderen Autoren vorwirft, daß die jeweilige Tendenz ihre Schlüsse bestimmt hat. Wenn im folgenden trotzdem versucht wird, an den Schlußfolgerungen und Tatsachen des Autors selbst zu zeigen, wie voreingenommen er seiner ufgabe gegenüberstand, so geschieht dies nicht, um die Arbeitsweise des Erfassers zu kennnzeichnen, sondern vor allem, um die Gefahr, die die erbreltung solcher pseudowissenschaftlichen Anschauungen mit sich bringt, rechtzeitlg wirksam entgegenzutreten. p *) Dr. Maurice Fishberg: „Die Rassenmerkmale der Juden“, Verlag Crnst Reinhardt, München 1912. Preis 5 Mark.