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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-04-01 · 3 (April 1913) · p. Seite 97

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
3 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 97 (sequence 23)
Language
German
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No. 3 97 Turner reihten sich dort ein. Die Geräte waren auf dje Vorturnerschaft des Bar Kochba systematisch verteilt worden. Die erste, nur aus Gipfelturnern bestehende Riege turnte an den Ringen. H i rs c h hatte mit diesem besten Material eine „Sensationsgruppe" aus der Oberstufe eingeübt. Rasender Beifall. Mit guter Mittelstufe turnten Lesse r am Reck, Gans am Barren, Silberberg am Bock, Riegen mit sichtlicher nur kunstgerechter Ausbildung. Eine Riege am Sturmlauf fiel durch hohe und weite Sprünge auf, Sportsleute. Die Alte Herren-Riege unter Witkowsky bewies turnerische Ambitionen an der schrägen Leiter, auch alle andern Riegen, die hier ohne Absicht nicht namentlich aufgeführt sind, machten ihre Sache mit Eifer und Schneid. Einige Vorturner ließen noch die nötige Umsicht in der Aufstellung und Ordnung ihres Gerätes vermissen, bei manchen wäre auch eine mehr offiziersmäßige Auffassung ihrer Stellung wünschenswert gewesen. Sonst aber fügte sich Alles geschickt in den gezogenen Rahmen. Das verdient Lob, weil die Meisten vor unbekannten Raumabmessungen und Einheiten standen. — Die Männer treten ab, die Bilder wechseln. Eine gesiebte Schar bot uns später Mustervorführungen. Zunächst holten sich die wackeren Kölner mit grandiosen, hier noch nicht gesehenen Stockschwingübungen neuen Lorbeer. Dann kam etwas für „Kenner“: Reckturnen. Vorturner Kindermann. Eger, Lewin, Karmelik-Berlin, Meyer- Köln, Wohl, Brüll-Posen und Andere zeigten ihre glänzenden Leistungen, nicht einmal die besten, nur die selbstverständlichen. Eger scheint sich allerdings zu einer besonderen Klasse zu entwickeln. Eine andere Riege (Vorturner Leiser-Berlin) zeigte hohe Sprünge am Trampolin über 2 und 3 Böcke, zum Schluß Saltos. Sehr dekorativ, aber ohne Vorbereitung. — Inzwischen rüsten sich die Mannschaften zum sportlichen Wettkampf. B. Das Fechten. So kurze Zeit dem Fechtsport auf dem Hallenturnfest auch nur ein- Eeräumt war — Fechten läßt sich nicht leicht in den ihm naturgemäß nur zugestandenen 15 Minuten zeigen — so bot sich selbst dem Laien ein recht abwechslungsreiches Bild. Vor allem trat das Prinzip zutage, daß das “echten Körper und Geist zugleich zur Geschmeidigkeit erzieht. Das sah •nan besonders beim Damerifechten. Des Fechtschriftstellers Axel von Altensteins Worte über die Anmut des Damenfechtens wurden vom „Jüdischen Frauenbund für Turnen und Sport“ lebendig illustriert. Allerdings war die Wirkung, wenn wir ein fachmännisches Urteil fällen wollen, von fast aufdinglicher Sinnfälligkeit. Es liegt dies in der Methode. Die romanische pChule und das französische Florett haben etwas Theatralisches an sich. Ihr Formenreichtum ist viel zu fesselnd und anmutig, als daß uns der Gedanke an uas Gefährliche der Waffe käme. Im Gegensatz hierzu stand das Fechten mit deutschem Stoßrapier, aus- Keführt von der Fechtriege des Bar Kochba-Berlin. Geschmeidige, aber feste Angriffe, starke Bewegungen und vor allem — als Hauptgesetz der Kreußjerschen Schule — eine ruhige, möglichst feste Mensur! Allerdings wirkt "lese Art weniger interessant auf den nichtsachverständigen Zuschauer. Der Sachverständige merkte wohl, daß die Bar Kochba-Riege noch eine ziemlich “»>Ke war; denn sonst hätte man nach dem Kommandofechten mehr Assants Kefochten. Interessant war das Assant zwischen G o 1 d s t e i n und Kuhn ln drei Gängen. Kuhn siegte im letzten Gange durch Ausheben einer Tieijluart, wodurch er über die festgelegte Klinge des Gegners treffsicher stoßen onnte. Jedenfalls gewannen wir den Eindruck, daß das Wehrzweckmäßige deutschen Stoßrapiers in den Rahmen unserer Turnerschaft besser hinlnPaßt, als das romanische Fechten und der Komment.

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