Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 3 (April 1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 96 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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96 Na 3 Turnen und Sport, Das Hallenturnfest des Deutschen Kreises. Unser Hallenturnfest ist glücklich vorüber. An seinem Gelingen trugen 500 Turner und Turnerinnen bei, die unser Ruf auf die Beine gebracht hatte. Zweitausend Gäste sahen dem munteren Treiben zu und erhoben unsere Veranstaltung zu einem jüdischen Volksfest. Ein dreieinhalbstündiges Programm zeigte in rascher und bunter Folge unsere vielartigen Vereinsbetriebe, soweit sie in der Halle, dieser Riesenturnhalle der Stadt Berlin, überhaupt zur Schau gestellt werden konnten. Gewaltige Summen turnerischen Fleißes und sportlicher Arbeit steckten in den Leistungen der Massen, den Erfolgen der Sieger. Mit anerkennenswerter, vielseitiger Unterstützung konnte die Regie für eine schöne und würdige Abwicklung sorgen. Das Männerturnen. Aus einem Knäuel von zweihundert Menschenleibern formierte sich die Stirnsäule zum Anmarsch für die allgemeinen Freiübungen. Festen Trittes und frohen Sanges zogen unsere Turner ein, unter aufrechten, kernigen Gestalten noch recht viel Krummheit. Nur an der Spitze hielten Reihen und Rotten gute Richtung, mehr nach hinten schlängelten sich phantastische Reihengebilde. Das störte indes nicht die glänzende Massenwirkung dieses wogenden Feldes. Eine Aufstellung mit voller Staffelung deckte dann den weiten Raum: Die Freiübungen begannen. Ueber ihre Ausführung läßt sich vom turnerischen Standpunkt nicht viel sagen. Faßt man das Ganze ins schauende Auge, so kommen Fehler und Mängel des einzelnen Mannes kaum zur Geltung. Eine derartige Vorführung soll ja auch mehr demonstrativen Wert haben. Es mag aber gesagt werden, daß an manchen Stellen auf schlechte oder auch gar keine Einübung geschlossen werden konnte. Sogar in den ersten Gliedern gab es Unsicherheit und falsche Zeiten. Solche Uebungen müssen im Schlaf klappen; es schlief mancher. AW linken Flügel standen die Reihen leider zu gedrängt, um korrekte Stellungen ausführen zu können. Eine rückhaltlos gute Beurteilung verdient das Gerätturnen, das ein treffliches Bild unserer allabendlichen Erziehungsarbeit lieferte und nach den Worten eines anwesenden deutschen Kreisturnwarts in voller Breite auf einem deutschen Turnfest hätte bestehen können. Da wir unsern eigenen Weg gehen, dürfen wir auf ein selbst so kompetentes Gutachten nicht übermäßig Gewicht legen, aber freuen tut’s uns doch. 21 Riegen schöpften vor uns aus dem tiefklaren Brunnen echter Turnkunst. Hier sah man so recht augenfällig die Wesensart der Turnerei in ihren Abständen und Beziehungen zu den sportlichen Betriebszweigen der Leibeskultur. Hier wird der Jungmann geschult und geschliffen, hier stählt er seinen Muskel, seine Sehne, seinen Nerv. Hier wird positive nationale Arbeit, d i e jüdische Arbeit geleistet. Aus der Zahl strammer Mannschaften trat die Riege des J. T. Posen unter Wohl am Pferd-Trampolin durch kühne und elegante Sprünge hervor. Köln zeigte am Barren seine gewohnte, vorbildliche RiegendiszipH**’ Hamburg, Halberstadt und München stellten strebsame Riegen am Reck. Per Verein Jüdischer Studenten Berlin hatte Ringe gewählt. 16 Riegen hatte der Berliner Bar Kochba aufgeboten; seine Männerabteilungen erschienen mit 170 Leuten auf dem Plan. Mehrere Königsberger, Breslauer und andere