Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 3 (April 1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3 87 Orthodoxen sog. Chassidim eingehalten, bei denen das Schaukeln beim Beten sehr tolle, die And;>fct verunstaltende Formen annimmt und sich zu förmlichem religiösem Dogma ausgebildet hat. Auch in den Elementarschulen und Gymnasien liegen die Verhältnisse nicht wesentlich günstiger. In diesen Schulen ist dem Turnunterricht eine Stunde in der Woche eingeräumt, aber er gehört nicht zu den oligatorischen Fächern, an denen alle Schüler teilnehmen müssen. Es ist eine höchst ungesunde und unnormale Erscheinung, daß die jüdische Jugend Rußlands viel zu früh reif wird: der Schüler von der 5. Klasse betrachtet sich als zu ernst, um an dem Klettern und Springen teilzunehmen. Die Lehrer, welche selbst kein Verständnis dafür haben, können natürlich bei ihren Schülern das Interesse für Turnübungen und das Bewußtsein ihrer großen Bedeutung nicht erwecken. Das Turnen wird deshalb bei den älteren Schülern als Kinderei angesehen, an dem sich wohl ein Bub ergötzen mag, der aber für den reiferen Schüler unpassend sei. Es gehört daher zu den Seltenheiten, daß ein älterer Schüler am Turnunterricht teilnimmt. Die Gründung von Turnvereinen, das Veranstalten von Vorträgen über den Nutzen und die Bedeutung des Turnens ist nach dem Gesagten eine der nichtigsten Aufgaben der jüdischen Jugend in Rußland. Nachbemerkung der Redaktion: Im Anschluß an diese Ausfüllungen, deren Verfasser ein genauer Kenner der russischen Verhältnisse ist, sei darauf hingewiesen, daß der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft gerade in den letzten Wochen eine umfassende Aktion unternommen hat, um die jüdische Turnbewegung auch in Rußland zu propagieren. Es hat sich gezeigt, daß sehr viele russische Juden unseren Bestrebungen das größte Interesse entgegenbringen. Wir werden später über die erzielten Erfolge berichten. Unser Erster Deutscher Kreistumtag. Als der V. Jüdische Turntag die Turnerschaft durch Einführung der Kreise in unsere Organisation dezentralisierte, war er von der Hoffnung erfüllt, auf diese Weise die Arbeitsmöglichkeit wesentlich zu erhöhen. Wenn es noch eines Beweises für die Berechtigung dieser Erwartung bedurfte, So hat der I. Turntag des Deutschen Kreises ihn erbracht. Allein die Anwesenheit von 63 Delegierten — alle Vereine hatten, T. unter sehr erheblichen finanziellen Opfern, von ihrem Delegationsrecht Gebrauch gemacht — zeigt, daß rein numerisch die Zahl der Vereine gewachsen ist. Als besonders erfreulichen Gewinn für den Deutschen Kreis |nuß man den Anschluß des jüdischen Ruderklubs „J v r i a“ an uns betrachten. Auf der anderen Seite ist freilich zu bedenken, daß unsere Hoffnungen in bezug auf die Anzahl der Mitglieder sich nicht erfüllt haben. Immerhin zählt der Deutsche Kreis gegen 2200 Mitglieder, und ein Ausgleich für das Fehlschlagen unserer Erwartungen auf eine größere Zahl ^°n Turnern schafft die auf dem Turntag deutlich gewordene Gewißheit, aß sich die Intensität unseres Strebens erheblich verstärkt hat. Das trat besonders hervor in der Debatte, die sich an das Referat von e**x Rosenblüth anschloß. Seine Ausführungen gipfelten in dem Satz,