Mannheim
Compact Memory

Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-04-01 · 3 (April 1913) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
3 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 88 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/6492379-5965024-5965354--106-4922295
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

88 No. 3 daß für ein Volk unter normalen Verhältnissen das Nationale eine Selbstverständlichkeit sei, einem Volke in unnormaler Lage aber immer wieder von neuem gewissermaßen ins Bewußtsein erhoben werden müsse. Dieser Satz, auf das jüdische Volk angewandt, habe zur Konsequenz, daß das Ziel unserer Bestrebungen in der Erfüllung unserer Mitglieder mit nationalem Bewußtsein liege. Mit erfreulicher Einmütigkeit wurden diese Gedanken gebilligt und es wurde ausdrücklich betont, daß gerade auf die Erfüllung dieses Programmpunktes — Pflege der national-jüdischen Gesinnung — entscheidendes Gewicht gelegt werden müsse. Dieser „Tendenzdebatte“ schloß sich die Statutenberatung an, die uns aus dem Zustand des Provisoriums herausbringen sollte. Von besonderer Bedeutung ist der Beschluß, neben dem Kreisvorstand die Institution der Kreisvorturnerschaft zu errichten. Sie hat den Zweck, die turnerische Durchbildung in den einzelnen Vereinen von einheitlichen Gesichtspunkten zu organisieren. Das Vertrauen auf tüchtige und energische Arbeit für das nächste Jahr kam in der einstimmigen Wahl des neuen Vorstandes zum Ausdruck. Es wurden gewählt: Rechtsanwalt Dr. Hirsch zum Vorsitzenden; ferner Frl. Lene Cohn, die Herren Abraham, Bialler, Dr. Fischer, Jul. Hirsch,Wagner. Für das turnerische Programm des Turntages war zunächst eine Vorturner-, Vorturnerinnen- und Sportwartstunde angesetzt, die systematische Anweisung und Anregungen für den Turnbetrieb gaben.*) Ein Referat von Fritz Abraham beschäftigte sich mit der Möglichkeit der Einführung des Sports in unsere Turnabteilungen und entfaltete eine rege Debatte, die das Interesse gerade für diese Frage deutlich erkennen ließ. Einigkeit in der Erkenntnis unserer Tendenz, Gewißheit über die Konsolidierung unserer Organisation, turnerische und sportliche Anregungen — das sind die wahrlich nicht geringen Erfolge, die der Turntag brachte. Zu seinem Gelingen hat sicherlich auch der äußere Rahmen nicht wenig beigetragen. Am Abend vor der eigentlichen Verhandlung fand die feierliche Eröffnung des . Turntages im Saal des Logenhauses statt. Nach der Eröffnungsrede des Herrn Burin, den Berichten des Vorstandes und zahlreichen Begrüßungsansprachen referierte Dr. A. Sandler in kurzen programmatischen Ausführungen über die Notwendigkeit des Turnens für die körperliche Regeneration unseres Volkes. Ein Begrüßungskommers hielt die Teilnehmer noch lange Zeit in Fröhlichkeit beisammen. Für die Verhandlungen hatte uns die Jüdische Gemeinde ihren Beratungssaal überlassen, und der mit blau-weißen Farben geschmückte Saal gab den Sitzungen schon äußerlich die Würde, die der Bedeutung des Turntages entsprach. Den Abschluß des Turntages bildete das Turn- und Sportfest in der größten städtischen Turnhalle Berlins. Aber selbst diese Halle erwies sich als zu klein für den Andrang. Gegen 300 Personen mußte der Eintritt wegen Ueberfüllung versagt werden. Dieses Fest war ein Erlebnis. Der Eindruck, den diese Demonstration unserer jüdisch-nationalen Jugend auf uns machte, bleibt unvergeßlich. Das Bewußtsein, daß diese Turner und Turnerinnen mit ihren bewundernswerten Leistungen unserem jüdischen Volke angehören, daß *) Darüber wird noch an anderer Stelle berichtet werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.