Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 3 (April 1913)
- Date
- 1913-04-01
- Page
- Seite 85 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/6492379-5965024-5965354--103-4922292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 3 85 Gott verhelfen soll, wird eine überall vorhandene und immer begriffene Verbindung von dummem Kerl und dummem Luder. Der jüdische Witz ist eine innere Angelegenheit des jüdischen Volkes. Ein Schofar kann eben niemals, wie er selbst so richtig erkennt, zu einer Trompete werden. Seine Stärke, die gerade in der erschöpfenden Charakteristik des jüdischen Milieus und in der Auseinandersetzung mit dieser einzigartigen Welt liegt, ist zugleich seine Schwäche, weil sie für jeden nicht in diesem Milieu Erwachsenen eine Geheimsprache bleibt. Denn jede große nationale Kunst njüß zugleich international sein, und noch haben wir nicht den Humor, der aus dem eingefleischten Juden Hyacinth auch einen allen verständlichen Menschen macht. Aber man sollte warten und den Mangel des jüdischen Witzes inzwischen nicht bedauern. Man sollte sich vorderhand mit der Einsicht begnügen, daß die außergewöhnliche Lage unseres Volkes nur einen isolierten Witz hervorbringen konnte. Man sollte ihn sammeln und in eine freiere Zeit als nationale Erinnerung an das Leiden der Emanzipation hinüberretten. Wenn aber einige Vorsichtige immer noch, diesen Ausführungen zum Trotz, den jüdischen Witzen die Voraussetzung und die Wirkung absprechen, die ich hier zu begründen suchte, wenn sie auch in Heines Hyacinth nur ein Pamphlet und nicht die Liebe eines Dichters sehen, dann machen wir selbst, die wir diese Witze noch hören und weitergeben, die Musik zu dem vorliegenden Text. Dann haben wir den Humor und den Mut, der zu jedem Humor gehört, auch die gehässigsten Uebertreibungen für wahr zu halten und ihnen eben dadurch eine erlösende Bedeutung zu geben. Niemand kann uns hindern, hinter diesen Geständnissen der! Herzschlag eines Volkes zu hören. Die körperliche Ausbildung der Jüdischen Jugend in Rußland. Von Adolf Nathan -Freiburg. Von einer quantitativen Degeneration, wie sie Teilhaber bei den deutschen Juden nachzuweisen sucht, kann bei den russischen Juden nicht oder jedenfalls in sehr geringem Maße die Rede sein. Wohl aber von einem qualitativen Rückgang, der. sich bei genauer Beobachtung leicht konstatieren läßt. Theorien, wie Neumalthusianismus, oder der Usus der späten Ehe haben unter den Juden Rußlands keine Wurzel gefaßt, ja sie sind ihnen ganz unbekannt. Im Durchschnitt ist jede jüdische Familie in Rußland mit 4 oder 5 Kindern gesegnet und das durchschnittliche Heiratsalter der russischen Juden ist bei Männern das 22.—25. und bei Mädchen zwischen dem 18. und 24. Lebensjahre, ein Alter, das keineswegs als zu spät angesehen werden kann. In den streng orthodoxen sog. chassidischen Kreisen kommen zwar schon Ehen mit 16 und 17 Jahren vor, aber sie bilden Ausnahmen, die in der letzten Zeit immer seltener werden. Daß die russischen Juden in den fetzten Dezennien an Zahl abgenommen haben, läßt sich nicht behaupten, Wenn man die zahlreichen Auswanderungen nach Amerika und anderen Staaten berücksichtigt. Ungünstiger ist das Resultat, wenn man die körperliche Beschaffenheit der jungen jüdischen Generationen Rußlands beobachtet und näher untersucht. Sehen wir uns zunächst die studierende Jugend,