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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-04-01 · 3 (April 1913) · p. Seite 79

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
3 (April 1913)
Date
1913-04-01
Page
Seite 79 (sequence 5)
Language
German
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No. 3 , 79 hunderte leuchtende Merkzeichen sein fiir die' Existenz der jüdischen Volksindividualität. Man pflegt zuweilen in nationalen Kreisen den Qolusinhalt des Nationaljudentums als den Willen zur Erhaltung des jüdischen Volkes auf der Grundlage des Volksgemeinschaftsbewußtseins festzustellen. Nichts ist falscher. Es liegt in diesem Satze eine Verkennung des Nationalismus als eines Zielstrebens und eine Verwechslung von Ziel und Qegenwartsaufgabe. Als Ziel aufgefaßt würde ein solcher Wille weiter nichts bedeuten als die Verewigung des Oolus. Die ganze Qolusgeschichte ist ein einziger Protest Segen solche Gedanken. Als Ziel aufgefaßt hat dieser Wille keinerlei Verbindung mit der Volksseele, ln dem Maße, wie diese ihn abwehrt, befreunden sich jene Kreise unseres Volkes mit ihm, die sich seelisch vom jüdischen Volkskörper losgerissen haben. Nationalismus ist zu erkennen nicht in dem Bestand, in der Erhaltung der Nation, sondern in ihrer Entwicklung zu einer lebensvolleren Zukunft. Wenn das jüdische Volk das Leben im Golus bejaht hat, insofern es sich gegen den Untergang wehrte, so geschah es um dieser Zukunft willen. Aus der Gebundenheit dieser Entwicklungsmöglichkeit ergibt sich als nationalistisches Leitmotiv alles Goluslebens der Gedanke der Erneuerung des jüdischen Volkstums durch die Erlösung vom Golus. Es ist eine grandiose Tatsache unserer Geschichte und der Völkerseschichte überhaupt, daß dieser ideelle Ausdruck unseres nationalen Optimismus, der die Lösung des Geschichtsrätsels unserer Vo.lksexistenz birgt, unter den widrigsten Verhältnissen die Zeiten überdauert hat. Doch muß man sich gegenwärtig halten, daß er fast bis in die Gegenwart hinein eine volle Auswirkung nicht erfahren konnte. Tritt der Regenerationsgedanke in seiner ganzen Fülle in die geschichtliche Erscheinung, so muß er sich als zuversichtlicher Glaube offenbaren und zugleich als Wille zur Erneuerungstat. In solch breiten Ufern ist der Strom des Golusnationalismus nicht geflossen. Der Wille zur lebendig wirkenden Tat war gewaltsam eingedämmt und zur Passivität verdammt. Nur ein unendliches Volkssehnen, das sich in tausend Geschichten spiegelt und das unsere Vorfahren trieb, im Tode wenigstens mit der Erde des Landes Israel vereint zu sein, gibt Kunde davon, daß jener Volkswille nicht erstorben war. Aber der Glaube an die Erneuerung unseres Volkes ist um so stärker geworden. Er hat sich fest in der jüdischen Volksreligion verankert und ihre Satzungen und Bräuche mit jenem Odem getränkt, der die Stimme der Resignation niemals .aufkommen ließ. Durch die Verbindung mit der Religion wurde er hart und widerstandsfähig. So sind wir unter dem Einflüsse der •ediglich passiven Ausstrahlung des nationalen Gedankens der Erneuerung das Volk des Duldens und Ansharrens geworden. Daß diese Halbheit des nationalen Lebens, die ihrem Wesen nach zu einer Entscheidung drängte, dauern konnte, liegt sicherlich darin begründet, daß die Völker durch ihre den Juden gegenüber geübte Qhettopolltik eine unfreiwillige Schutzwehr aufgerichtet hatten. Als diese Schutzwehr in den Tagen unserer Väter und Großväter fiel, da war damit der Tag der großen nationalen Prüfung angebrochen. Und es zeigte sich ein Doppeltes. Es ergab sich, daß der nationalistische Qlaube an die Erneuerung unseres Volkstums in der Religion zu schwach gestützt war. Die gefährlichste Krise trat ein, die jemals unser

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