Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 52 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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52 No. 2 Und sie kommt, die vertrauenerweckend dickbäuchige Flasche mit dem Silberhals und dem Etikett mit dem Worte des Heils: „Löwenbräu“. Lieblich bist du, Bier aus der Stadt der ehernen Bavaria, wenn man dich im Stachus genießt oder im Alsterpavillon oder im — Monopol! Aber all deine Güte erkennt erst der, der dich langsam schlürft, wenn sich die anderen an das Wasser von Saloniki halten. Wenn Pardo Münchener Bier im Leibe hat, wird er allemal unternehmungslustig. „Man wird morgen einen Ausflug machen!“ „Wer? Sie? Sie werden sich gefälligst morgen punkt neun in der Schule einfinden und drei Stunden lang Turnen geben, daß Ihnen die Schwarte knackt.“ „Werde ich auch. Aber ich mache doch einen Ausflug, und zwar mit der ersten Riege vom Maccabi.“ „Die Leute pfeifen Ihnen was, mitten in der Woche. Die haben Vernünftigeres zu tun tagsüber. Sie könnens Münchner immer noch nicht vertragen.“ „Wir laufen nachts. Bis Topsin. Morgens sind wir wieder zu Hause.“ Das wäre allerdings nicht übel. Bei diesem prächtigen Mondschein einen Marsch über das wilde Gebirge, fein. Das hat man anderwärts nicht. „Wer ist dabei!" Fräulein Beridschewska hat nach ihrer Art wieder geträumt und stellt ihre stereotype Frage: ' „Mah jesch chadasch?“ Was gibt neues? Aber warten Sie, verehrteste Träumerin,' wir gewöhnen Ihnen das schon ab. Und wie aus der Pistole geschossen brüllen Pardo, ich und noch einige, die drum wissen: „M'ummah!“ Garnischt! Alles lacht, und dann redet Pardo sich in Eifer für seinen Plan. Was jung unter uns ist, geht mit. Nur Frau Cohen wird fehlen, denn ihr Erstes, ihr „Igal“ (der Auserlesene), duldet solche Extravaganzen nicht. Und dabei erinnert sie sich, daß sie jetzt schon ihre Mutterpflichten aufs unerhörteste verletze und eilt heim. Damit beginnt der Abbröckelungsprozeß. Eppstein bleibt ohnehin nie lange. Die Beridschewska und mein Kollege Rubinstein sind auch plötzlich verschwunden. Sie sitzen sicher wieder auf den kühlen Steinplatten am Quai und starren aufs Meer. Und das Mädchen singt mit leiser Stimme die Lieder Zions und Jerusalems. Mister Qreen liest, liest, liest. Den Independant, den Avenir, den Jeun turc, die Sabafi, die Macedonia, die Freie Presse, die Welt, Aurore, alles, alles. Gleich wird er aufstehen und ohne „Schalom" Weggehen, und keiner wird das verwunderlich finden, denn er ist eben Mister Green, und man kennt sein Wesen. Schließlich sind nur noch Pardo und ich im Saal. Man trinkt eine Flasche Münchner in Saloniki mit einer gewissen feierlichen Andacht. Aber endlich brechen auch wir auf. „Gute Abend, Err Klötzähl!" „Gute Nacht, Monsieur Pardo!“