Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 51 roit Dingen zu beschäftigen, die nicht direkt zu seiner gewaltigen Arbeit gehörten. Aber er wußte Rat: „Sie lesen es und sagen mir dann, was drin steht.“ Der Leser möge mir verzeihen, daß ich soweit vom eigentlichen Thema abgeirrt bin. Aber Isaak Eppstein ist sicherlich einer unserer gewaltigsten Pioniere dort unten. Die hebräische Lehrerschaft sieht in ihm ihr unerreichbares Vorbild, die Bevölkerung von Saloniki ihren ungekrönten König. Und weil er so ganz still und leise sein unschätzbares Werk fördert, weiß keiner etwas von ihm. Und doch, so glaube ich, ist es für alle Juden von großer Wichtigkeit, zu erfahren, was für Männer dort unten am Aufbau des neuen Judentums arbeiten! Isaak Eppstein ist einer der Fürsten unter ihnen. Aber da gibts bei uns auch Menschenkinder von leichterer Gemüts¬ und Geistesart als der Mann mit dem Prophetengesicht. Da ist z. B. auch Herr Florentin, Chefredakteur des „Avenir“ und der „Tribuna libra“. Er ■st unter all den rührigen Freunden des „Hilfsvereins“ der allerrührigste, und wer ihn sich vorstellen will, der denke an den kleinen türkischen Herrn, der auf dem Hamburger Zionistenkongreß das Referat über die türkischiüdischen Kulturzustände gehalten hat. Das ist Herr Florentin, dem insbesondere die Jüdische Turnerschaft zu außerordentlichem Dank verpflichtet ist, denn er und sein Sozius Barsilai sind die Seele der „Chewrat * Hitaluth Maccabi b’Saloniki“ unseres Brudervereines. Neben Eppstein •st er der Politiker, der Mann des öffentlichen Lebens, der mit scharfem Blick die Gegenwartsfragen erkennt und die praktische Initiative ergreift. Als ich ihn zum letzten Male in Saloniki hörte, sprach er über die Notwendigkeit der Schaffung einer spaniolischen Broschürenliteratur über moderne jüdische Fragen. Leider sind die spaniolisch sprechenden Juden in dieser Beziehung übel dran, und wenn sich auch gerade die Organe Florentins sehr eifrig der Aufgabe annehmen, über alles Geschehene im Judentum zu berichten, so ist andererseits keiner mehr als Florentin davon überzeugt, daß das bei Weitem nicht genüge. Einer an unserm Tisch fehlt noch, aber er tobt schon auf der Treppe. Hört, der Mann hat Hunger. Er singt draußen schon mit lauter Stimme den Namen seines Lieblingsgerichtes nach der Melodie von „Deutschland über alles“: „Ka-la-bas-sa, Ka-la-bas-sa, Ka-la-bas-sa, Kalabassss!“ Seht, Daniel fliegt vor Eifer. Bums, geht die Tür auf, und mit lautem „Schalom“ hält er seinen Einzug in den Saal, er, der prächtigste, lustigste, strammste Mensch in Saloniki, die Freude aller Jungen und Alten, er, Adon Pardo, der berühmte Turnlehrer des „Maccabi“. Er drückt jedem die Hand, daß man schreien möchte, setzt sich den Fez auf dem Kopfe noch schiefer, knufft mich unterm Tisch, flucht auf Daniel und protzt dann mit seinen deutschen Kenntnissen: „Err Klötzähl“. Dann wird er mir von München erzählen. (Münchener Turnbrüder, erinnert ihr euch seiner?) Er wird mir das gute Münchener Bier rühmen und die Münchener Mädchen. Dann wechseln wir parlamentarische Blicke nuch einem geheimnisvollen Kode, und dann verkündet Pardo mit Stentorstimme das Ergebnis der Verhandlung: „Daniel, une bouteille de biäre de Munich!“