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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-03-01 · 2 (März 1913) · p. Seite 49

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
2 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 49 (sequence 15)
Language
German
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No. 2 49 von der damals wirklich als „moralische Anstalt“ wirkenden Bühne herab zurief: „Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles freudig setzt an ihre Ehre!“ Das Aufrufen aus Schmach und Bequemlichkeit zu Ehrgefühl und aktiver Tätigkeit, das ist ein allgemeiner Satz, unabhängig von den zufälligen Begleitumständen des Volkes und der Zeit. Der junge Jude, der diesen Ruf hört, wird im Innersten ergriffen; denn wir sehen heute um uns her, in unserem Volke, so viel Gemeinheit und Erbärmlichkeit, daß wir fast verzweifeln müßten. „Ihr habt den Glauben an alles Große verloren; so müßt, so müßt ihr hin, wenn dieser Glaube nicht wiederkehrt wie ein Komet aus fremden Himmeln.“ — so ließ der Dichter (noch vor der Zeit der großen Niederlage) seinen Griechen klagen, und hatte doch seinem innigen Roman vorangesetzt: „Ich verspräche gern diesem Buche die Liebe der Deutschen.“ Es lebt jetzt eine Generation von Juden, die wissen, daß sie den Glauben an das Große wiedergefunden haben; und darum haben wir auch den Glauben an unser Volk gefunden. Aber wir wissen auch, was unser Beruf ist: Dieses faule und träge Volk aufzurütteln, das Volk von Krämern zu einem Volk von starken, wollenden Männern zu machen. Vor allem aber uns selbst dazu zu machen. Wir müssen das Volk erziehen, auf daß der Geist in es fahre; und jeder fange bei sich selber an, und suche das Falsche, das Schlechte, das Sklavische aus seiner Seele zu bannen. Auch uns steht das nationale Werk erst bevor; und wenn wir keinen Fichte heute haben, so muß jeder einzelne von uns ein kleiner Fichte werden und zur jüdischen Nation reden. Jeder einzelne muß die Sache des Volkes als persönliche Aufgabe empfinden, die noch nicht erfüllt ist; jeder niuß die ganze Verantwortung dieser Lage fühlen und in der Schwere der zu erfüllenden Pflicht einen Kraftmesser sehen. Jede Zeit der Gefahr ist zugleich eine Zeit der Auslese; was schwach und feige ist, wird abfallen wie faule Frucht, was stark ist, wird gestählt zum Sieg. Karl Joel vergleicht in dem oben von mir zitierten Aufsatz (Neue Rundschau, Dezember 1908) das Leben der heutigen, durch alle möglichen Erfindungen der Technik beglückten Zeit, mit dem vor 100 Jahren, als die Fluten der Bewegungen hochgingen; und wahrlich, 1908 kommt nicht gut davon gegenüber 1808. Wir Juden erleben heute das Erwachen unserer kroßen nationalen Bewegung und stellen uns in die Kampfreihe. Während andere Völker feiern, müssen wir arbeiten. Darum aber fühlen wir, daß es eine Lust ist, zu leben, — und wir möchten nicht tauschen wollen mit lenen, die in 100 Jahren — vielleicht uns feiern werden. Eine Erinnerung. Von Cheskel Zwi Klötzel. Wir sitzen bei „Varsano und Moche“, in dem großen jüdischen Hotel v°n Saloniki, beim Abendbrot. Es ist noch verhältnismäßig früh und es sind erst wenige Gäste im Lokal. Schweigend stellt Daniel, unser Spezialkellner, die vom Mittag erst halb geleerten Flaschen mit Palästinawein auf den Tisch und erwartet die Aeußerung unserer Wünsche betreffs des Fssens. Der Eine bestellt „Riz au lait“, der zweite „Petit pois“ (weh dir, So du nach Saloniki kommst und kannst keine französische Speisekarte

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