Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 2 (März 1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 48 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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48 No. 2 genannt und wunder gemeint, wie sehr man uns mit diesen Namen lobte. Man hätte uns die Juden des neuesten Europa nennen sollen, denn wie die Juden sind wir umher verstreut und ihnen fast gleich geachtet; nur daß die Juden in ihrer ewigen Physiognomie noch mehr Stärke und Charakter verraten als die jetzigen Deutschen.“ — „Es ist kaum glaublich“ — heißt es in B o y e n s Erinnerungen — „was für eine Masse von Erbärmlichkeit sich damalen unter einem großen Teil der sogenannten gebildeten Stände zeigte. Sie waren verweichlicht durch langen Friedensgenuß, immer gewöhnt, den eigenen Vorteil als das Ziel ihres Bestrebens anzusehen, und so war der Gedanke an mutige Pflichterfüllung und Aufopferung aus ihrer Seele gewichen.“ Ein solches Volk nun mußte vernichtet werden. Das deutsche Volk ist vielleicht Napoleon, den Hegel damals die „Weltseele“ nannte, am meisten zu Dank verpflichtet: Er hat durch die Not, in die er es brachte, bewirkt, daß es das Faulende abschüttelte und das, was noch stark und echt war, unter dem Drucke den drängendsten Gegendruck erzeugte, ln dem kurzen Zeitraum von 6 Jahren wurde ein neues Volk, neue Menschen geschmiedet. Politische und militärische Reformatoren, wie Stein, Scharnhorst, Gneisenau, deren Wirken gewiß nicht unterschätzt werden soll, sind dabei doch erst in zweiter Linie zu nennen. Denn auch i h r Werk konnte nur gelingen, weil es vom rechten Geist erfüllt war. Der Geist der Begeisterung, die damals die Romantiker, ein Schleiermacher, ein Fichte, ein Kleist, ein Arndt, schufen, die den Stolz auf die eigene Vergangenheit, auf das eigene nationale Wesen und den nationalen Kulturboden,'dem damals schon Goethe, Schiller und Kant angehörten, weckten, dieser Geist war es, der schließlich in die Gemüter fuhr und sie zur Tät fortriß, der die Losstürmenden zu einer unüberwindlichen Kraft machte. Den Geist zu befreien, das war Fichtes eisernes Gebot. Man müsse vor allem die Jugend nach neuen, freieren Grundsätzen erziehen, daß sie stark werde im Wollen, stark im Handeln, charakterfest und mutig. Mögen dann immerhin die Feigen, die Lauen, die Trägen und Bequemen abfallen oder nicht mittun, die Geschichte wird über sie zur Tagesordnung übergehen. „Nie galt es mehr als damals, daß der Geist den Leib befreie,“ sagt Karl Joöl von jener Zeit. Alle führenden Männer lehrten die sittliche Tat: „Das eben wollten sie alle damals, die heroischen Geister, große Gedanken Tat werden lassen, hohe Ideale hinausführen ins Leben, sie verwirklichen, und darum war es das Zeitalter der großen Idealpraktiker, der großen Prediger, Erzieher, Reformatoren.“ Die Frucht reifte und das Volk hat in einem Zustand des höchsten Enthusiasmus das Joch abgeworfen und seine Freiheit und eine herrliche 'Zukunft gefunden. Und heute gedenkt das Volk jener Heldentage, heute, in einer Zeit, deren Armut und Leere, deren Mangel an jeglichem Heroismus und jeglichem Schwung evident ist. Wir Juden aber, wir denken uns noch ganz andere Dinge dabei als die Deutschen, die den Stolz auf ihre Vergangenheit haben. Warum sollten wir nicht ein ganzes Volk als Beispiel nehmen dürfen? Wir haben jene klägliche Scheu, die uns zu anderen Völkern kein rechtes Verhältnis finden ließ, weil wir „dazugehören" wollten und keine Distanz kannten, überwunden. Während jener Bedrückung vor mehr als hundert Jahren begeisterten sich die Herzen der deutschen Patrioten an den Worten, die ihnen ein französischer Held