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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-03-01 · 2 (März 1913) · p. Seite 45

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
2 (März 1913)
Date
1913-03-01
Page
Seite 45 (sequence 11)
Language
German
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No. 2 45 II. Diese Behauptung wird noch bekräitigt, wenn man von der Prüfung der jüdischen Seite der Neutralität zur Betrachtung ihrer allgemeinen Menschlichen Züge übergeht. Man wird da leicht erkennen, daß die seelischen Motive, denen die Vorliebe für die Neutralität beim westeuropäischen Juden entspringt, die hervorstechendsten Eigenarten der Psyche des Assimilationsjuden ausmachen. Denn was den eigentlichen Charakter dieser Psyche bildet, ist ihre Zerrissenheit und als die notwendige Folge derselben ihre Unentschlossenheit, ihr Schwanken, ihre Haltlosigkeit. Nun wird man aber stets wahrnehmen können, daß gerade innerlich zerrissene Naturen instinktive Scheu vor jeder Parteinahme und eine Hinneigung zur neutralen Haltung besitzen. Wir haben gerade in unserer heutigen Zeit, Gelegenheit, diese innere seelische Korrelation zu beobachten. Daß unsere Zeit an einer innerenen Gespaltenheit, an einem seelischen Zwiespalt leidet, ist heute schon zu einem Gemeinplatz geworden, den man nicht zu beweisen braucht. Und Hand in Hand mit dieser innerlichen Zerrissenheit geht jene Vorliebe für die uninteressierte Haltung, jene Begeisterung für die Objektivität, jenes Wohlgefallen am Abseitsstehen, dem wir auf Schritt und Tritt heute begegnen, Meist in jenen ästhetischen Kreisen, die mit der Dekadenz der modernen Zeit aM stärksten belastet sind. Dasselbe wird man überall und jederzeit beobachten können, sei es, daß es sich um die dekadente Zeit des spätrömischen Kaisertums oder um die innerlich verfaulte Epoche des ancien rGgime handelt; stets sind seelische Zerrissenheit, innere Dekadenz unzertrennlich verknüpft mit der Vorliebe für die Neutralität. Diese Verbindung ist auch nur zu natürlich. Der seelisch Zerrissene ist unfähig, sich zu einem offenen, deutlichen Bekenntnis zu ermannen. Bekennen erfordert eine seelische Kraft und Energie, die dem Dekadenten fehlt. Auf der anderen Seite aber ruht in dieser Abneigung gegen jede Stellungnahme wiederum der tiefste Jrund für die innere Gespaltenheit. Denn die ausgesprochene Parteinahme blr irgend ein Prinzip ist der beste Weg, der zur inneren Entschlossenheit fuhrt. Eine Idee zu der seinigen machen, und sie zum Inhalte seines ganzen Lebens zu erheben, nur so wird man Persönlichkeit. Das Verhältnis von innerer Dekadenz und der Disposition für die Neutralität ist also ein wechselseitiges; jedes bedingt das andere notwendigerweise. So ist es begreiflich, daß der Assimilationsjude, dessen Signatur die seelische Zerrissenheit ist, aus ganz allgemein-psychologischen Motiven dazu ommen mußte, die Neutralität zu seinem heiligsten Prinzipe zu machen, enn faßt man ihn schärfer unter die Lupe, so sieht man, daß er nicht nur m seiner jüdischen Betätigung für die Neutralität schwärmt, sondern auch auf allen anderen Gebieten seines Lebens. Er ist allem gegenüber neutral. Daher .le oft konstatierte Tatsache, daß der moderne Jude das beste Material für iefe neu auftauchende Strömung ist. Er ist überall dabei, eben aus dieser seiner neutralen Seelendisposition heraus. Denn alles lieben heißt bekannt- ■eh nichts lieben, und für alles, schwärmen kann nur der aller Prinzipien are Mensch, der absolut Neutrale. Weil der moderne Jude kein kräftiges * saS®n kann, braucht er auch nie ein deutliches Nein zu sagen. Weil er e'Kentlich nirgends recht dabei ist, kann er überall dabei sein. Weil er innerlich haltlos ist, kann er neutral sein. Auch von dieser Seite aus gesehen,

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