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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-01-01 · 1 (Januar/Februar 1913) · p. Seite 14

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
1 (Januar/Februar 1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 14 (sequence 18)
Language
German
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14 No. 1 lieh, schrecklich still. Die Menschen in ihren Häusern verborgen. Aus den Fenstern schimmerte da und dort ein Oellicht, kündete, daß der Arbeiter vom Felde heimgekommen sei und bei seiner Mahlzeit sitze... Mir war, als hinge das traurige „W’hu rachum j’chapper owojn“8) unseres Beth hamidrasch") daheim, in einer trüben Herbstnacht, über Jerusalem. Ich langte erst nach dem Maariw-Gebete an der Tempelmauer an. Eine hohe, hohe Mauer, wie eine schwarze Säule gegen den Himmel sich streckend. Die Beter waren schon fort. Nur in einigen Steinspalten zitterten noch die Unschlittlichter, die sie zurückgelassen hatten. Rauchige Flämmchen, die die fettfeuchten Steine beleuchteten. Sie kamen mir wie nicht beendigte Gebete vor, die da zurückgeblieben waren... In einer Ecke stand ein einsamer, schwarzer Schatten, die Arme hoch und an die Mauer geklammert, den Stein ans Herz pressend, das Gesicht in einer Spalte vergraben, und murmelte ein stilles Gebet: „Herr, verbreite die Heiligkeit Deines Namens über die ganze, ganze Welt...!“ Und eine irrsinnige Mutter in weißen Kleidern saß an der Mauer und sah irgendwohin, weit, w'eit in die Welt hinein... Ich aber warf mich nieder und küßte die Steine... Eine militärische Chanukahfeier in England. Von Alfred Burin, London. Ueberall in der Welt, wo es Juden gibt, wurde vor einigen Wochen das Chanukahfest gefeiert, zur Erinnerung an die Taten der Makkabäer. Man beging es auf verschiedene Art: Als nationalen Gedenktag, als Fest religiöser Ueberlieferung, als eine Gelegenheit, „Wohltätigkeit" zu üben, oft auch, als willkommenen Anlaß, sich zu vergnügen. In England habe ich dieses Jahr noch eine andere Feier des Chanukah erlebt, die wohl sonst nirgends üblich ist: Eine militärische. Sie wurde — bereits zum zwanzigsten Male — als „Naval and Military Chanucah Service" in London begangen. Diese Art, das Fest zu feiern, ist packend, Chanukah als Fest des Soldaten, des Kriegers, der gleich den Makkabäern in die Schlacht zieht, zum Sieg oder Tod. Es ist ein tiefer Gedanke, den jüdischen Soldaten an die Heldentaten seiner Vorfahren zu gemahnen. Eine militärische Chanukahfeier mag zwar das Zeichen einer vorgeschrittenen Assimilation sein, auf der anderen Seite jedoch ist sie ein Beweis der Loyalität und der wirklichen politischen Gleichberechtigung der Juden Englands und wohl auch ein Zeichen dafür, daß der historische Gedanke in der jüdischen Bevölkerung Britanniens noch wach ist. In der Großen Synagoge Londons in Aldgate fand am 8. Dezember die Feier statt, eine glänzende Demonstration. Abteilungen jüdischer Matrosen, martialische Gestalten, die in London stehenden jüdischen Mannschaften der englischen ®) „Und er ist barmherzig, verzeiht die Sünde.“ Ein Gebet, das mit diesen W'orten beginnt. ") Bet- und Lehrhaus.

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