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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-01-01 · 1 (Januar/Februar 1913) · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
1 (Januar/Februar 1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 13 (sequence 17)
Language
German
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No. 1 13 man die Berge hintereinander, wie sie einer über des andern Kopf sich erheben. Zuweilen ist es, als ob ein großes Stück aus einem Berg herausgerissen wäre — ein so tiefes, finsteres Loch gähnt auf, aus dem Nacht und Schrecken herauslugen. In einem dieser Löcher, so erzählt man, hat Simson, als er zu den Philistern nach Timnath ging, den Löwen getroffen und in ->tiicke gerissen. Im Gebirge Juda, wie eingemauert in den Fels, liegt auch Bethar. Ich weiß nicht, ob das dieselbe Stadt ist, in der Bar Kochba mit den Römern kämpfte, und ob es wirklich das Gebirge Juda war, in dem Simson den Löwen traf. Aber wer diese Berglandschaft in ihrer unheimlichen Stille, in ihrer steinernen Schroffheit, in ihrer schreckensvollen Kälte gesehen hat — klaubt, daß hier Helden wie Simson und Bar Kochba gelebt haben können. Diese Berge erzählen von Kraft und Löwengebrüll... In Bethar wurde es in unserem Wagen lebendig. Christliche Schulkinder stiegen ein, mit ihrer Lehrern, französischen Missionären. Sie fuhren v°n einem Ausflug nach Jerusalem zurück und waren sehr lustig, unterhielten sich mit ihren Lehrern, die ihnen väterlich entgegenkamen, sie um sich sammelten und ihnen Geschichten erzählten ... Mir wurde traurig zu Mute. Ich sah die Gefilde Jerusalems vor mir u»d fremde Kinder, die auf ihnen spielten. Nicht, daß ich es den fremden Kindern nachgetragen, daß sich Haß gegen ihre guten, stillen Lehrer in mir keregt hätte. Nein, ich erinnerte mich nur an unsere armen jüdischen Kinder, ^ie sie Uber die ganze Erde zerstreut, in enge, luftarme Chederschulen gepfercht, dem Stock des Rebben unterworfen sind. Warum sind sie von den Eeldern, aus den Gärten verbannt? Weil die Eltern gesündigt haben, sollen auch sie leiden? Warum bringt man sie nicht hierher, auf die Felder, in die Gürten von Jerusalem, um hier zu schauen und zu leben?... Zusammen mit den Bergen hatte die Dunkelheit begonnen, durch die Lenster hereinzublicken. Es war die Stunde des Mincha-Gebetes gekommen, ■kber die Leute wollten damit warten, bis sie den Boden Jerusalems betraten. Nur fürchteten sie, die vorgeschriebene Zeit zu versäumen, und spähten ängstlich zum Himmel hinauf... Doch noch ist kein Stern zu sehen, der Bimmel Jerusalems hüllt sich nicht so schnell in Nacht... Dort, weit im '■Vesten, flammt die Sonne. Vielleicht ist das dort schon Golgatha... Mein Beiz fing an, in Freude und Schreck zu pochen. Alle wurden still, ganz still. ■Ble harrten des Augenblicks, da sie Jerusalem schauen sollten. Die Schulkinder drängten sich wie die Küchlein um ihre Lehrer. Die Frauen banden Jie Hauben um. Die Männer zogen die Sabbatkafta’ne aus Atlas an. Und ‘ille umfing die Dunkelheit, und alle harrten in Angst und Schweigen auf das Beiiige und Große ... Da... Wir halten! Und der Schaffner ruft es ganz alltäglich aus: ..Jerusalem!" „Jissgadal w’jisskadasch schmeh rabbo"T), höre ich hinter mir. Die Juden beten Mincha auf dem Boden von Jerusalem. Ich sprang in einen Wagen, um mich rasch zur Westmauer fahren zu lassen. Ich wollte noch zum Maariw-Gebete dort sein. Mein Herz pochte. Die Nacht war plötzlich auf Jerusalem herabgesunken. Die Stadt schreck- ') „Gepriesen und geheiliget sei der Name des Herrn!“

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