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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-01-01 · 1 (Januar/Februar 1913) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
1 (Januar/Februar 1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 11 (sequence 15)
Language
German
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No. 1 11 ilossen meilenweit Ströme von Milch und Honig dahin. Damals maß das 1-and Israels vierhundert Meilen in der Breite und Länge. Aber als die Juden vertrieben wurden, schrumpfte es zusammen.“ „Wie eine Mutter,“ seufzte die Alte. „Sind die Kinder da, so lacht ihr das Haus in allen Winkeln. Sind aber die Kinder fort, ist es so traurig und leer iiir sie.“ Nun geht der Schaffner vorbei und macht aufmerksam, daß dort, weit, "'eit, wo man die Bäume sieht, die Kolonie Rischon le Zion liegt. Der erste Name hier, der mein Herz in freudigem Schreck erzittern läßt. Wir blicken durchs Fenster hinaus: weit, ganz weit, dort, mitten in der Steppe, einige Bäume, die zum Himmel ragen... Ich hatte das Gefühl, als ob es die einzigen und ersten Bäume in dieser Wüste wären. Von den Unserigen gepflanzt, die aus weiter Fremde kamen, sie zu pfianzen! Und ein heißer Drang überkam mich, ins jüdische W)lk zu gehen, zu jedem Juden, wohin er auch verschlagen sein mag, auf der Straße ihn anzuhalten, von Handel und Wandel, vom Lärm und Getümmel auf einen Augenblick ihn abzuziehen und ihm zu sagen: du, deine Heimat ist verwüstet worden. Geh heim und arbeite in deiner Heimat, bei dir zu Hause, dann magst du wieder zu deinen Geschäften zurückkehren...! Der Zug fuhr in eine Station ein. Die erste jüdische Station: Ramleh. Wir trafen dort gerade Schulkinder aus der jüdischen Kolonie Recho- " oth samt ihren Lehrern. Der erste Gruß im Lande Israels! Die Kinder riefen uns lustig „Schalom! Schalom!“2) zu. Und eines sagte zum andern: „Kummah w’naaleh immahem Jeruschalajmah“ .. .*) Die Alte sieht durch das Fenster hinaus, erblickt die Kinder und fragt: „Jüdische Kinder?“ „Ja, jüdische Kinder aus den Kolonien.“ „Die sprechen ja nicht jüdisch,“ wundert sich die Alte. „Sie sprechen die heilige Sprache,“ kläre ich sie auf. ,,Die heilige Sprache! Ach, ach! Die heilige Sprache sprechen sie. Sollen leben und gesund sein! Schmuei,“ wendet sie sich an ihren Mann, »hörst du? Die heilige Sprache sprechen sie... Du, du, Junge, steig nicht aufs Rad,“ ruft sie einem Knaben zu, der auf einen Wagen geklettert ist. «Keh hinunter, kannst, Gott behüte, noch überfahren werden.“ Da kommt ein zweiter Junge gelaufen, mit einem sonnengebräunten Gesichtchen, langen, schwarzen Locken, schwarzen, glänzenden Augen und "'linderbaren zarten, jungen Gliedern, greift sich aus dem Reisesack des andern ein Stück Butterbrot heraus und ruft ihm mit vollgestopftem Mund die Worte zu: „Lamoreh... lamoreh.. .“*) „Auch ein jüdisches Kind?“ fragt die Alte. »Ja, natürlich.“ »Cr geht doch barhäuptig herum und ißt ohne Segensspruch..wundert sie sich. ) Friede! a) „Laßt uns mit ihnen nach Jerusalem fahren!" 4) „Zum Lehrer!"

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