Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1913)
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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10 No. 1 auf- und niederstieg. Die Küste Palästinas ist die stürmischste des ganzen Mittelmeeres. Schon des Nachts, als wir in das Küstengebiet eingefahren waren, am Karmel vorbei, der von nächtlichen Wolken umhüllt war, war das sonst so stille, gleichmütige Mittelmeer nicht zu erkennen gewesen. Es war brausend und stürmisch geworden, hatte unser Schiff bald auf gewaltige Wasserberge empor-, bald in gähnende Tiefen hinuntergeschleudert. „Kein Wunder, mein Kind,“ hatte die alte Frau neben mir auf dem Oberdeck gesagt, „daß das Meer hier so stürmisch ist. Fließen doch hier alle jüdischen Tränen und Gebete hinein.“ Und wild ward die Fahrt des Bootes. Bald sank es in die Tiefe, als sollte es in den Fluten begraben werden, bald schnellte es hinaui auf die höchsten Wellengipfel. Aber wir fühlten es nicht, sahen es nicht, starrten nur nach der Kiiste. Wir sahen die weißen Lehmdächer von Jaffa in den Sonnenstrahlen baden und den weißen Kalkstrand des heiligen Landes weit, weit in der Sonne sich hinziehen . . . Da wirft uns eine Welle zwischen die riesigen Steine hinein, die vor dem Hafen von Jaffa aus dem Meere herausragen. „Seht doch, seht!“ sagt die alte Frau, die neben mir im Boote sitzt. „Das sind noch die Steine, die König Salomo hier ins Meer hineinrollen ließ. Er hat ja seiner Frau, der Tochter des Pharao, alle Wünsche erfüllt, und da hat er ihr hier einen Palast aus Olas gebaut . . .“ Woher die Alte das wußte, weiß ich nicht. Sie war ja noch niemals im Lande Israels gewesen. Und doch wollte sie es schon aus alten, ganz alten Zeiten wissen. ' Und ich glaubte ihr. . * « Mein Freund wollte, ich sollte tagsüber in Jaffa bleiben. Doch ließ ich mich nicht überreden. Ich mußte unbedingt noch am selben Tage Jerusalem sehen. Schon mit dem nächsten Zuge — wie seltsam das klingt! — fuhr ich nach Jerusalem. Wüst und öde auf beiden Seiten des Weges. Kein Haus, kein Baum. Kalkweiß zieht sich das Land dahin, so wie es Gott erschaffen hat, als hätte noch niemals eines Menschen Hand daran gerührt, als wartete es bloß auf den, der aus der Ferne zu ihm kommen wird. Es scheint zuweilen, als wären die Felder eingeschlafen, als wären sie durch einen Zauberspruch in starren Stein verwandelt worden und harrten nun des Messias, der sie aus ihrem geheimnisvollen Schlafe erwecken soll . . . Nur da und dort eine * Palme, die, einsam und verlassen, mit ihren dunklen Zweigen zum Himmel ragt, ein Sproß uradliger Familie, ein Denkmal vergangener Zeiten, denen sie erzählt: wie da einst die fetten Felder sich breiteten, die dunklen Wälder rauschten, in deren Schatten das Brautpaar sich Liebe schwur; wie da die Ouellc rieselte, woraus der Wanderer sich labte... Und da und dort ein Hügel, mäßig hoch, einsam. Vielleicht brannten einst Fackeln auf seiner Höhe, um weithin den Neumond zu künden. Vielleicht spielten da meine Urahnen, als sie noch Kinder waren. Und heute so verlassen und öde! „O, ■w ie jammervoll, wie traurig,“ ächzt die Alte, „wie verwüstet, wie verwüstet!“ „Und war einmal fruchtbar," sagt ein Mann so vor sich hin, ohne die Frau anzuselien, „war einmal fruchtbar. Als die Juden noch da wohnten,